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Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

4. Tag – 09.02.2003 Kampala – Masaka – Mbarara

In der Nacht hat es in Strömen gegossen, jedoch ist am Morgen kaum noch etwas davon zu spüren. Gleich heute wollen wir Kampala wieder verlassen und weiter in Richtung Ruanda ziehen, da wir einen Tag verloren haben. Die Hauptstadt können wir uns auf der Rückreise noch anschauen.

Auf dem Weg nach Ruanda liegt die Stadt Masaka, wo wir einen Stopp einlegen wollen. Ich hatte einst eine Brieffreundin namens Gertrude aus Uganda, deren Postanschrift diese Stadt war. Wir wollen versuchen, sie zu finden. Man muss wissen, wenn man einen Brief in ein afrikanisches Land schickt, wird in den seltensten Fällen die Anschrift mit Straße und Hausnummer angegeben. Sondern meist geht die Post an ein Postfach, von dem dann die Briefe persönlich abgeholt werden.

Gertrude muss also irgendwo in oder um Masaka wohnen. Mit Hilfe der Fotos, die ich von ihr und ihrer Familie habe, könnten wir sie finden. Zwar habe ich nicht viel Hoffnung, schließlich hat die Stadt ca. 50.000 Einwohner.

Als wir an der Matatustation in Masaka ankommen, werden wir sofort von Mopedtaxis umringt und nach unserem Zielort befragt. Ich krame die Fotos von Gertrude aus meinem Rucksack und zeige sie einem der Fahrer: „Wir suchen diese Familie hier in Masaka.“ Im Nu bildet sich eine Menschentraube um uns herum und die Bilder wandern von Hand zu Hand. Gespannt schaue ich auf die Gesichter. Nur Kopfschütteln, keiner kennt Gertrude, ihren Mann oder eine der anderen Personen auf den Fotos.

Einer der Mopedtaxifahrer macht den Vorschlag, uns zu jemandem zu bringen, der angeblich jeden in der Gegend kennt. Es könnte eine Chance sein und wir willigen ein. Es könnte aber auch sein, er fährt uns von hier nach da, zum nächsten, der wieder jemanden kennt, der sie kennen könnte.

Mit zwei Mopeds düsen wir entlang einer staubigen Piste und halten vor einem riesigen Eisentor. Einer der Fahrer klopft an, es öffnet eine alte Frau. Sie ist wohl diejenige, die alle Leute aus dieser Gegend kennt. Ausgiebig schaut sie sich die Fotos an und schüttelt dann mit dem Kopf. Und nun? Zum nächsten, der jeden kennen könnte?

Ein Jeep kommt die Piste entlang gedonnert und stoppt direkt neben uns. In ihm eine junge Frau: „Heh Muzungus, alles klar oder gibt es Probleme?“ Ich erzähle ihr, was wir vorhaben und reiche ihr die Fotos. Auch sie schüttelt nur mit dem Kopf und sagt dann: „Kommt, steigt in den Wagen. Der Kerl kennt keinen auf den Bildern und bringt Euch nur von einem zum nächsten, um Geld zu machen. Wie viel hat er von Euch verlangt?“ Sie lacht, als ich ihr die Summe nenne. „Gib ihm 1.000 USh. Das ist bei weitem ein guter Preis.“ Die will der Fahrer jedoch nicht annehmen und schaut die junge Frau missmutig an. Sie hat ihm wohl das Tagesgeschäft vermasselt. „Kommt schon! Gebt ihm das Geld und steigt ein,“ fordert sie uns auf.

Ich drücke ihm den Schein nochmals in die Hand und dann laden wir die Rucksäcke auf den Rücksitz. Die junge Uganderin gibt Gas und wir lassen die immer noch grimmig dreinschauenden Mopedtaxifahrer hinter uns.

„Ich bin Jacqui,“ sagt sie lachend. „Mal sehen, ob ich Euch helfen kann. Zuerst fahren wir zu meinem Automechaniker und zeigen ihm die Fotos. Er kennt viele Leute hier im Ort.“ Leider ist er nicht zu Hause und Jacqui bringt uns zu einem anderen Bekannten. Auch er schüttelt nur mit dem Kopf, als er sich die Bilder betrachtet. Auf der Straße treffen wir noch einen Doktor der Stadt. Er könnte durchaus jemanden auf den Fotos erkennen. Aber auch er kann kein bekanntes Gesicht entdecken.

Als nächstes halten wir vor einem kleinen Restaurant. Jacqui ruft einen alten Mann heran: „Sag, kennst Du jemanden auf diesen Bildern?“ und reicht sie ihm. „Ja,“ antwortet er. „Ich kenne diesen Mann,“ und zeigt mit dem Finger auf Gertrudes Ehemann. „Bist Du Dir wirklich sicher?“ Er nickt. „Wo wohnt er? Hier in Masaka?“ fragt Jacqui. „Nein, er wohnt in Kinoni Town,“ erwidert er und erklärt wo in etwa sich sein Haus dort befindet. „Aber,“ entgegnet Jacqui, „er kann schon tot sein. Woher weißt Du, dass er noch lebt? Wann hast Du ihn das letzte Mal gesehen?“ Diese Frage verblüfft uns erst mal ein wenig. Ein Mann, Ende dreißig, Anfang vierzig, der in der Blüte seines Lebens steht, von dem nimmt man doch nicht an, dass er bereits verstorben ist? Aber wir begreifen schnell. Aids.

Der alte Mann antwortet darauf: „Ich bin mir sicher, dass er noch lebt. Vor einem Monat war er noch in meinem Restaurant. Da habe ich ihn das letzte Mal hier gesehen.“ So richtig kann ich es noch nicht glauben, dass wir tatsächlich herausgefunden haben sollen, wo Gertrude und ihre Familie wohnt. Die Chance war ziemlich gering, in so einer großen Stadt wie Masaka jemand ausfindig zu machen, der irgendeine Person auf den Fotos kennt.

„Ok,“ sagt Jacqui, „fahren wir noch schnell tanken, dann kurz nach meinen Kindern schauen und anschließend bringe ich Dich nach Kinoni Town.“ Kinder? Ja, sie hat 21 Waisenkinder. Sie bezeichnet es aber nicht als Waisenhaus, sondern es sind ihre Kinder und ihr Zuhause. Hinter einer hohen Mauer verbirgt sich das große Gebäude, in dem sie wohnen. Wir liefern bei einem der Jungs das Gemüse ab, welches Jacqui noch im Wagen hat und dann geht es weiter.

„Oh, mein Gott!“ ruft sie plötzlich und stoppt. Sie beginnt laut zu lachen und hält sich die Hände vors Gesicht: „Ich habe in der ganzen Aufregung vergessen, ein paar meiner Kinder von der Kirche abzuholen.“ Wir wenden. An der Kirche warten bereits ungeduldig die vier Kleinen, drei Jungs und ein Mädchen. Wir laden sie ein und dann geht es geradewegs nach Kinoni Town, das etwa 15 km von Masaka entfernt liegt.

In Kinoni Town angekommen, halten wir an der Polizeistation und Jacqui zeigt dem Diensthaben die Fotos, der den Weg kurz erklärt. Wir biegen in eine Seitenstraße und halten vor einem kleinen Geschäft. Ein Mann kommt heraus und ich erkenne ihn sofort. Es ist der Mann auf den Fotos, Gertrudes Ehemann. Immer noch kann ich es kaum glauben. Tausende Menschen leben in und um Masaka und wir haben binnen einer Stunde Gertrude und ihre Familie nur mit Hilfe von Fotos ausfindig gemacht.


Jacqui zeigt Emmanuel, so heißt Gertrudes Mann, die Bilder und fragt: „Bist Du das hier?“ Er klatscht in die Hände und freut sich, als sie ihm erzählt, dass wir aus Deutschland kommen, Uganda bereisen und da ich mich einmal mit seiner Frau geschrieben habe, ihr einen kurzen Besuch abstatten möchte. Jacqui gibt ihm noch zu verstehen, dass er uns nachher zur Busstation bringen und in den Bus Richtung Ruanda setzen soll. Dann verabschiedet sie sich von uns, überlässt uns noch ihre Handynummer, für den Fall, dass wir noch einmal nach Masaka zurückkommen.

Emmanuel nimmt unsere Rucksäcke und bringt sie ins Geschäft. Mittlerweile hat sich die halbe Kleinstadt eingefunden, vor allen Dingen die Kinder, um den Besuch aus Europa zu sehen. Auch Gertrudes Kinder (sie hat drei eigene und sechs Waisenkinder), die heute etwa 14 bis 17 Jahre alt sind, sind herbeigeeilt und wir plaudern vor dem Laden. Viele Fragen werden gestellt, viele Worte gewechselt. Nur Gertrude fehlt. Leider ist sie in einem Nachbarort bei einer Freundin zu Besuch, wird aber bald nach Hause kommen.

Die Zeit vergeht, aber Gertrude kommt nicht. Wir müssen uns langsam verabschieden, da wir noch vor Einbruch der Dunkelheit die nahe der Grenze zu Ruanda gelegenen Stadt Mbarara erreichen möchten. Wir überreichen noch unsere Geschenke, die wir mitgebracht haben und dann bringt uns die Familie zur Busstation.

Während wir auf ein Matatu warten, steigt auf der gegenüberliegenden Seite eine Frau von einem Pick-up. Sie ist es, Gertrude. Eine Nachbarin hatte sich auf den Weg gemacht, um ihr Bescheid zu geben, dass Besuch aus Deutschland da ist. Voller Freude begrüßt sie mich. Umarmt mich, als wären wir alte Freunde, die sich ewig nicht gesehen haben. Und da das nächste Buschtaxi auf sich warten lässt, haben wir noch Zeit, uns zu unterhalten.

Der Abschied ist herzlich und wir sollen doch, wenn wir aus Ruanda zurück und durch Masaka kommen, wieder vorbeischauen. Ein letzter Händedruck und wir quetschen uns in den bereits überfüllten Kleinbus.

Je näher wir der Grenze zu Ruanda kommen, desto höher werden die Berge. Das Fahrzeug schleppt sich bergauf und bergab erreicht es die Höchstgeschwindigkeit. Hier und da halten wir und laden zu, was noch reinpasst. Wie so oft sitzen wir sardinenähnlich. Und wieder einmal fällt bei einem Halt die Tür heraus, ein anders mal geht sie nicht mehr von innen zu öffnen. Der Fahrer muss aussteigen und versucht von draußen sein Glück.

Mittlerweile ist es doch dunkel geworden, als wir in Mbarara eintreffen. Gleich in das erste Hotel aus dem Reiseführer checken wir ein. Mitten in der Stadt, an einer belebten Straße. Unten gibt es ein kleines Restaurant mit einer Bar. Recht duster, im blassen, grünen Neonlicht, kann man kaum die Bohnen auf dem Teller erkennen. Während ich hier sitze und mir beim Schreiben fast die Augen verderbe, beobachten wir immer wieder, wie Pärchen, die sich hier eben gerade getroffen haben, durch die Hoteltür verschwinden. Auch der Kellner flüstert uns nur ins Ohr, dass es nix mehr zu Essen gibt, als wir noch etwas nachbestellen wollen. Wir erinnern uns an Jacquis Worte: „Woher weißt Du, dass er noch lebt?“. Aids ist in Uganda eine wahre Seuche, die jährlich Tausende dahinrafft und dies hier scheint nicht nur ein Hotel zu sein.

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06.02.-04.03.2003

1./2. Tag - Frankfurt - Dubai

3. Tag - Dubai - Nairobi - Entebbe

4 . Tag - Kampala - Masaka -Mbarara

5. Tag - Mbarara - Kigali (Ruanda)

6. Tag - Kigali - Nyamata

7 . Tag - Kigali - Ruhengeri


8. Tag - Ruhengeri - Gisenyi

9. Tag - Gisenyi

10. Tag - Gisenyi - Goma (DRC)

11. Tag - Gisenyi - Kabgayi

12. Tag - Kabgayi - Kabale (Uganda)


13. Tag - Lake Bunyonyi


14. Tag - Kabale - Fort Portale


15. Tag - Fort Portale

16. Tag - Fort Portale - Kibale Forest NP

17. Tag - Kibale NP - Kampala

18. Tag - Kampala - Jinja

19. Tag - Jinja - Sipi Falls

20. Tag - Sipi Falls

21. Tag - Sipi Falls - Entebbe

22. Tag - Entebbe

23. Tag - Entebbe - Kampala

24. Tag - Kampala

25. Tag - Kampala

26./27. Tag - Kampala - Dubai - Frankfurt