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Reisebericht
| 15. Tag – 20.02.2003 Fort Portale Auch am Morgen gibt es noch keinen Strom. Seit gestern leben wir außerdem zeitlos, da der kleine Reisewecker in der letzten Unterkunft vom Schrank gefallen ist und in ein paar Einzelteile zerfiel. Eigentlich braucht man in Afrika auch keine Uhr. Zeit spielt hier keine Rolle. Wenn die Sonne aufgeht, beginnt der Tag. Wenn sie untergeht, endet er und wenn man selbst keinen Schatten mehr hat, dann ist es Mittagszeit. Mehr muss man eigentlich nicht wissen.Wir suchen uns zwei Mopedtaxis, die wir gleich für den halben Tag engagieren. Den Jungs hier auf den Mopeds, muss recht kalt sein. Fast alle von ihnen tragen eine dicke Winterjacke, einige sogar noch Pudelmütze. Für unsere Verhältnisse sind die Temperaturen recht angenehm. Nicht zu heiß, aber keinesfalls in Bereichen, in denen wir uns überhaupt etwas langärmliges anziehen würden. Unser erstes Ziel sind die Amabere Caves etwas außerhalb der Stadt. Die Piste führt direkt auf das gewaltige Massiv des Ruwenzori Gebirges zu. Auf dieser geraden Strecke holen die beiden Fahrer raus, was sie können und wir lassen eine enorme, rote Staubwolke hinter uns.
Ein schmaler Pfad windet sich durch dichtes Gestrüpp und von weitem hört man einen Wasserfall rauschen. Um die Stalaktiten und Stalagmiten, die sich hier im Laufe der Zeit in den Höhlen gebildet haben, ragen sich so einige Sagen. Noch heute meiden die meisten der Einheimischen diesen Platz, im Glauben, dass sich noch immer Geister und Dämonen hier aufhalten. Die verschiedenen Formationen sollen aussehen wie Brüste und so heißt der Name Amabere Caves „Höhlen der Brüste“. Überall in der Umgebung hier findet man Kraterseen. Der bekannteste von ihnen ist wohl der Lake Saka und genau diesen wollen wir jetzt suchen. So genau wissen unsere Fahrer auch nicht, wo eben dieser Kratersee gelegen ist. So fahren wir jetzt über unwegsames Gelände und halten Ausschau. Als wir auf einen Weg treffen, sehen wir am Ende eines Abhangs endlich Wasser. Die Fahrzeuge lassen wir oben am Rand, in der Nähe des Weges stehen. Die beiden meinen, wir sollten nicht außerhalb der Sichtweite der Mopeds gehen, da es hier viele Langfinger gibt. Am Ufer des Sees angekommen, stellt sich und die Frage, kann man hier baden gehen? Eigentlich ja, so steht es im Reiseführer. Aber wer macht den Anfang? Unsere beiden Begleiter sagen uns, dass sie nicht schwimmen können. Doch dann setzt sich der Eine seine Pudelmütze ab. Seine dicke Winterjacke hatte er schon oben am Fahrzeug abgelegt. Er zieht sich bis auf die Unterwäsche aus und geht, sich vorsichtig nach vorn tastend, ins Wasser. Na dann wollen wir auch mal! Schließlich hatten wir ja geplant, an diesen Kratersee zu fahren und hier auch schwimmen zu gehen. Der andere der beiden Mopedtaxifahrer, der immer noch seinen dunkelroten Anorak an hat, bleibt am Rand des Sees sitzen und schaut zu, wie wir dem anderen versuchen, die Schwimmbewegungen zu erklären. Als wir dann wieder zu den Mopeds den Hang hinaufgekraxelt sind, ist die Jacke des Pudelmützenträgers verschwunden. Sie lag auf dem Sitz. Was nun? Weit und breit ist niemand zu sehen. Sollte, als wir da unten baden waren, hier einer vorbeigekommen sein und hat sich die Jacke einfach geschnappt? Es hat wohl den Anschein. Da brauchen wir jetzt auch nicht lange hier herumzustehen und Ausschau zu halten. Er tut uns leid mit seiner wollenen Mütze und seinen jetzt so traurigen Augen. Wir vermuten auch, dass es seine einzige Jacke gewesen ist. Die meisten Leute hier kaufen ihre Kleidung auf dem Markt, wo die Kleiderspenden aus unserer westlichen Welt landen. Dass tut natürlich der einheimischen Bekleidungsindustrie wenig gut. Denn das, was wir zu Hause in die großen Container geben, wird nach Afrika gebracht. Hier kaufen es die Händler kiloweise auf und verkaufen es dann auf den Märkten. Wir sind uns einig. Wir schauen in der Stadt, ob wir für
ihn eine neue Winterjacke bekommen. Sofort kehrt wieder das
Lächeln auf sein Gesicht zurück. Zurück in der
Stadt schauen wir uns auf dem Markt um, jedoch kann er nichts
passendes finden. An einem kleinen Stand entdeckt er dann seine
Traumjacke. Beate und ich teilen uns die Summe, jeder bezahlt
die Hälfte. Bei weitem kein Vermögen für uns.
Glücklich und zufrieden zieht er sich den Neukauf über.
Jetzt ist er wieder komplett eingekleidet, mit Anorak und Pudelmütze,
während wir so vor uns hinschwitzen.
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