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Sierra Leone Reisebericht 2005/2006

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Sierra Leone liegt an der westafrikanischen Küste und grenzt an Guinea und Liberia. Obgleich reich an Diamanten, Gold, Bauxit und anderen Rohstoffen, ist es eines der ärmsten Länder der Welt.

2001 endete ein fast 10-jähriger, blutiger Rebellenkrieg. Während dieser Zeit nahezu in Vergessenheit geraten, besuchten vor 1991 alljährlich zahllose Touristen das Land, welches wegen seiner traumhaften Strände, die zu den besten Westafrikas zählen, beliebt war.

Des weiteren begegnet man atemberaubenden Landschaften und hohen Bergen, weiten Flüssen, unberührter Natur, authentischen Dörfern und nicht zuletzt äußerst gastfreundlichen Menschen. Heute, ein paar Jahre nach dem Krieg, hat sich das Land stabilisiert und wird allmählich wieder zu einem Anziehungspunkt für Reisende aus aller Welt.

Sierra Leone - Das Land der Löwenberge

Üppiges, tropisches Grün, durchzogen von breiten Flüssen, die später ins Meer münden, erblickt man beim Landeanflug auf Freetown. Palmen über Palmen sausen vorbei, als das Flugzeug aufsetzt. Die Türen werden geöffnet und uns umgibt die tropische Schwüle Afrikas.

Auch als Flugreisender muss man sich Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, vom Wasser her nähern, denn der Flughafen Lungi liegt auf der anderen Seite des Rokel Rivers, der die Freetown-Halbinsel vom Festland trennt. Es gibt keine Brücke über den Fluss und so nutzen Reisende die große Autofähre oder das schnellere Wassertaxi.

Auf der Überfahrt rücken die Berge immer näher. Man erkennt die vielen Häuser, die wie bunte Schmetterlinge an den Hängen kleben. An der Government Wharf, wo einst Missionare, Handels- und  Entdeckungsreisende und wo auch die ersten freigelassenen Sklaven anlegten, betritt man auch heute noch den Boden der Stadt.

Freetown, die Stadt, die einst den Eindruck erweckte, sie wäre eher eine europäische Hafenstadt als eine afrikanische -  sie ist heute eine Mischung aus kolonialer Geschichte und typisch afrikanischem Städtealltag. Eine auffallende Architektur verleiht Freetown ihre Individualität. Zwischen den überwiegend farbig gestrichenen Häusern, deren Glanzzeiten jedoch schon einige Jahrzehnte zurückliegen, ragen tropische Bäume und Gewächse empor. 

Und mit ihren vielen Märkten und belebten Einkaufsstraßen zeigt sich die Stadt Tag und Nacht unermüdlich und geschäftig. Liebenswert stressig, gelegentlich chaotisch und ungemein spannend offenbart sie ihren unverwechselbaren Charakter dem Neuankömmling, der sich zwischen Neugier und Kulturschock bewegt.

Freetown

Ein paar Tage später und nur ein paar Kilometer weiter ist vom Trubel und der Geschäftigkeit der Hauptstadt nichts mehr zu spüren. Man meint, das Paradies hätte sich an den Stränden Sierra Leones seinen Namen verdient. Nach einem Tag Baden im Meer, einem langen Strandspaziergang und einem Bootsausflug auf eine nahegelegene Insel, sitzen wir auf der Terrasse unseres kleinen Bungalows. Wir trinken ein Star Beer, nachdem wir frischen Meeresfisch vom Grill gegessen haben und beobachten, wie die Sonne im Meer versinkt. Ihre letzten Strahlen lassen die an einem weißen Sandstrand aufgereihten Palmen als schwarze Silhouetten erscheinen.

Etwas klischeehaft und kitschig könnte man annehmen. Wer jedoch einmal die malerischen Strände Sierra Leones gesehen hat, die zu den schönsten Afrikas zählen, der wird ähnliche Erinnerungen vor Augen haben. Bilder von Stränden, bei denen man unweigerlich an Daniel Defoe´s Robinson Crusoe denken muss.

Wir verweilen noch ein paar Tage im Paradies, bevor unsere Reise weiter geht. Weiter zu wilden Wasserfällen, den Bumbuna Falls, nach Tiwai Island, einer Insel auf dem Moa River, die man nur mit dem Boot durch mangrovengesäumte Wasserwege erreicht  und  zu den Diamantenminen im Osten des Landes. Die Straßen, teilweise Pisten, sind mal mehr, mal weniger schlecht. Mit einem gemieteten Allrad sind sie in der Trockenzeit jedoch problemlos befahrbar.

Bei aller Schönheit von Natur und Landschaft Sierra Leones, bei all den typischen Dörfern, die wie das Afrika aus dem Bilderbuch erscheinen, sollte man nicht vergessen, dass das Land zu den ärmsten der Welt zählt und sich für die Bewohner die alltäglichen Probleme ergeben, wie sie in allen Entwicklungsländern vorhanden sind.

Bureh Beach

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