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Afrika Kalender 2012

Go Belize - Eine Reise in die Karibik

Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

5. Tag - 19.12.2003 - Ziguinchor - Cacheu über Sao Domingos (Guinea-Bissau)

Die Fahrt mit dem Buschtaxi zur Grenze nach Guinea-Bissau mutet sich schon am Gare Routiere an, imposant zu werden. Beim Anblick des Fahrzeuges, dessen technische Mängel unübersehbar sind, kommen Zweifel auf. Wird es diese ca. 30 km in einem Zug und ohne Panne bewältigen? Es ist jedoch das einzige, was jetzt am frühen Morgen rüber nach Sao Domingos in Guinea-Bissau fährt.

Die gesplitterte Frontscheibe wird durch zwei Holzstreben gehalten, damit sie dem Fahrer nicht ins Gesicht fällt. Nachtfahrten können theoretisch, wohlgemerkt theoretisch, mit diesem Auto nicht mehr erfolgen. Obwohl, möglicherweise funktionieren ja noch die Rücklichter. Frontscheinwerfer gibt es jedoch nicht mehr. Zur allgemeinen Beruhigung, im Falle eines Platten, haben wir auch einen Ersatzreifen auf dem Dachgepäckträger liegen.

Der Fahrer schnauzt hektisch mal diesen, mal jenen Fahrgast an, als wir uns noch alle am Einsteigen befinden. Da ist wohl das Gepäck nicht richtig im Kofferraum verstaut. Dann soll man sich endlich auf seinen Sitzplatz begeben. Schließlich fahren wir in einer Stunde los.

Wir haben auf der hintersten Reihe platzgenommen, etwas nach vorn gebückt, um zu vermeiden, sich ähnliche Beulen im Kopf einzuhandeln, wie das Auto von außen aufweist.

Nun ist es an der Zeit, die Reise anzutreten. Der Fahrer brummelt schon wieder etwas gereizt zu den Fahrgästen und langsam haben wir den Eindruck, dass er das Wort "Lächeln" nicht kennt. Aber weit gefehlt. Man kann ihm sogar ein Lachen abringen. Als ich nämlich später direkt hinter ihm sitze, meine Nase läuft, ich mein Taschentuch zücke und mir die Nase putze. Da dreht er sich erschrocken und entsetzt um und will wohl gerade wieder anfangen rumzuknurren, weil er wahrscheinlich denkt... Na, wer hat schon ein Tempotaschentuch in Afrika einstecken und im ganzen Taxi bricht Gelächter aus. Und auch er lacht. Ja, er hat wirklich gelacht.

Der erste Halt ist eine Polizeikontrolle am Ortsausgang. Diskussionen. Nicht verwunderlich, auch wenn man nichts versteht, kann man sich ausmalen, worüber gesprochen wird.

Es ist schwierig das Fahrgefühl in solch einem Auto zu beschreiben. Ich möchte es auch nicht weiter ausreizen. Schließlich sichert auch dieses Fahrzeug das Einkommen des Fahrers und es ist ein alltägliches Fortbewegungsmittel für die Einheimischen. Für afrikanische Verhältnisse ist es nichts Ungewöhnliches, für uns ist es halt anders...

weiter mit Senegal/Gambia
(Guinea-Bissau überspringen) >>>

Passkontrolle an der Grenzstation im Senegal. Ein Stempel und das war es. Schräg gegenüber, unter freiem Himmel, nur ein Strohdach über zwei Holzbänken, befindet sich die Grenzkontrolle Guinea-Bissaus.

Wir dürfen unsere Rucksäcke bis auf den Boden auspacken. Der Inhalt findet allerdings auf den schmalen Bänken keinen Platz und somit sind uns die Beamten behilflich, indem sie einige der Sache einstweilen halten.

In Sao Domingos, dem ersten Ort nach der Grenze, erneute Kontrolle. Hier ist es ein befestigtes Gebäude und wir werden hereingebeten. Noch einmal dürfen wir unser Gepäck präsentieren, dieses Mal nur bis zur Hälfte.

Für unser Taxi ist hier Endstation und wir müssen uns ein anderes Fahrzeug suchen. Eigentlich wollen wir weiter nach Cacheu, das nur ca. 20 km Luftlinie entfernt, aber auf der anderen Seite des Rio Cacheu liegt. Brücken sind im mit vielen Flüssen durchzogenen Guinea-Bissau rar. Vielerorts werden Fähren eingesetzt, die es jedoch von Sao Domingos aus nicht gibt.

Wie wir erfahren, müssen wir über Sao Vincente, wo sich eben solch eine Fähre befindet, über Bula und Canchungo nach Cacheu. Das ist ein Umweg von vielleicht 150 km. Wir werden demzufolge sehen, wie weit wir heute noch kommen.

Von Sao Domingos aus fahren wir auf recht guter Straße mit einem Kleinbus. Auf der Strecke gibt es unheimlich viel zu sehen. Das ist Afrika aus dem Bilderbuch. Teils urwaldähnliche Wälder, teils Ortschaften, deren Hütten und Häuser ganz nah an der Straße, Blicke in das alltägliche Leben erlauben, das sich ja vorwiegend im Freien abspielt.

Langsam ändert sich die Landschaft. Auf beiden Seiten der Straße sieht man Sumpflandschaften, unterbrochen von Feldern und einzelnen Bäumen. Und plötzlich stehen wir am Ufer des Rio Cacheu, den wir nun mit der Fähre überqueren müssen.

Es ist glühend heiß. Vielleicht sogar heißer als vor ein paar Tagen in Kaolack. Aber mittlerweile hat sich der Körper wohl mit der Hitze etwas angefreundet.

Der Blick auf die Straße, auf der wir gerade gekommen sind, vermittelt den Eindruck, sie führt zurück ins Nichts. Und an dieser Stelle ist sie zu Ende. Hier wird sie vom Fluss durchtrennt und erst auf der anderen Seite geht es weiter.

Wir müssen auf die Ankunft der Fähre warten. Noch steht sie am anderen Ufer. Beladen mit ein paar wenigen Autos und Menschen legt sie nach gemächlicher Überfahrt auf unserer Seite an.

Ich muss nun noch einmal bemerken, dass die Hitze hier fast unerträglich ist. Ohne Kopfbedeckung ist es kaum auszuhalten. Auch die Einheimischen tragen Mützen oder Basecapes, bzw. legen sich die Frauen ihre Tücher über den Kopf.

Am anderen Ufer angekommen, findet sich ein wenig Schatten unter Bäumen, bevor es mit einem überdachen LKW weiter ins Landesinnere geht. Drei lange Holzbänke, links, rechts und in der Mitte der Ladefläche, bieten ausreichend Sitzplätze für Fahrgäste. Gepäck und Vieh werden darunter verstaut. Das Schwein, das unter meinem und meines Nachbars Sitz gepackt wurde, versucht hin und wieder auf die Beine zu kommen und aufzustehen.

Dem LKW geht jedoch nach einigen Kilometern der Sprit aus und es muss per Kanister nachgefüllt werden. Jedoch springt das mit Menschen und Getier vollbeladene Fahrzeug nicht mehr an. Es muss wohl angeschoben werden.

Da ich ganz hinten sitze, steige ich mit aus. Draußen spricht mich ein junger Mann an, der ein wenig englisch kann. Das werden wir wohl in Guinea-Bissau selten erfahren, denn Amtssprache ist Portugiesisch und der Großteil der Bevölkerung spricht Creol (kreolisches Portugiesisch).

Abu kommt aus Guinea-Conakry und hat in Bula, den nächsten Ort, den wir erreichen werden, ein Geschäft.

10 - 12 Mann versuchen jetzt den LKW in Bewegung zu bringen. Aber der Schwung reicht nicht aus und der Motor krächzt nur kurz und dann steht das vierrädrige Teil wieder. Nun versucht man das Fahrzeug auf der Straße zu wenden, um in Gegenrichtung anzuschieben, wo es etwas abschüssig ist.

Das Wenden nimmt ein wenig Zeit in Anspruch. Die Straße ist schmal und der Straßengraben fällt abrupt in den Busch ab. Wenn die Vorder- oder Hinterräder da hineinrutschen, müsste es das gewesen sein. Einige Male stehen beim Vor- und Rückwärtsschieben die Räder tatsächlich kurz davor, den Weg in den Busch nehmen. Laute Rufe der Schiebenden und auch der noch im Fahrzeug Sitzenden bewegen den Fahrer dazu, die Bremse zu betätigen.

Dann steht der LKW endlich in Gegenrichtung und der Schwung reicht aus, um ihn ins Rollen zu bringen. Nach mehrmaligem Stottern des Motors springt er schließlich an.

Bula ist eine lebhaftes Marktstädtchen mit vielen kleinen Geschäften und einer Tankstelle. Abus Radiogeschäft und sein Haus befinden sich direkt auf dem weitläufigen Marktplatz. Er lädt uns ein, bei ihm eine Erfrischung zu nehmen, während wir auf die nächste Mitfahrgelegenheit warten. Hier stellt er uns auch seine Frau vor, die er kurz zuvor mit einem Kuss auf die Wange begrüßt hat.

Als wir dann in den nächsten LKW steigen, der vom Marktplatz abfährt, gibt mir Abu noch seine Telefonnummer. Denn falls wir mal in Conakry sind, sollen wir ihn doch anrufen.

Die Fahrt geht jetzt nach Canchungo. Ich sitze mit vorn im Fahrerhaus. Beate, bei der sich langsam ein Erkältung ankündigt, hat auf der Landefläche Platz genommen. Der Wagen hat keine Frontscheibe mehr und so ist es recht zugig und staubig.

Neben der schlaglochübersäten Straße hat sich wieder einmal eine Piste gebildet. Auf dieser geht es recht zügig voran.

In Canchungo angekommen, es ist bereits Abend, wollen wir das Restaurant Filadu ku Fera aufsuchen. Laut Reisehandbuch gehört es einem Holländer namens Tony und seiner Frau Gina. Auch eine kleine Pension sollen sie eröffnet haben und so wollen wir hier übernachten.

Doch wir haben kein Glück. Tony und Gina, so sagt man uns, sind zur Zeit in Bakau, in Gambia. Und andere Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in diesem Ort nicht.

Die Dunkelheit bricht schnell herein und im Nu stehen wir mit unseren Rucksäcken ratlos in der afrikanischen Nacht. Ein Kleinbus soll noch nach Cacheu fahren, was wir uns als heutiges Ziel ausgesucht hatten.

Die Strecke Canchungo - Cacheu ist ebenso wieder eine Schlaglochpiste. Unterwegs lassen wir immer wieder mal ein paar Fahrgäste hinaus in die Nacht und langsam wird es bequemer im Wageninneren.

Als wir in Cacheu ankommen und die letzten Fahrgäste sind, fragt uns der Fahrer, wohin wir denn nun wollen. Wir sagen, ins Hotel Baluarte . Es soll relativ neu sein und oft von Entwicklungshelfern genutzt werden. Wir fragen unterwegs ein paar Leute und dann bleibt der Fahrer stehen. Wir sind angekommen am Hotel Baluarte . Ja, wo ist es denn? Wir schauen aus dem Fenster und können kaum die Umrisse eines Hauses wahrnehmen. Die blass zu erkennenden Konturen im Dunkel der Nacht sind das Hotel. Es ist schon seit geraumer Zeit geschlossen und andere Unterkünfte gibt es hier nicht. Mein Traum, mal unter dem Sternenhimmel zu schlafen, wird wohl heute wahr. Aber unser Fahrer gibt uns zu verstehen, dass er uns noch zu jemanden bringt.

Von der Hauptstraße sind wir längst abgebogen und bewegen uns auf einer schmalen Piste. Langsam rückt ein hellbeleuchtetes Haus näher, vor dessen großen, eisernen Eingangstor wir stoppen. Wir sind am Hafen angekommen und bemerken bald, das Gebäude gehört zum Fischverarbeitungswerk.

Dem jungen Mann, den unser Fahrer herbeigeholt hat, versuchen wir nun klar zu machen, dass wir eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Er versteht und meint ok, wir könnten hier für eine Nacht ein Zimmer bekommen.

Noch etwas ungläubig folgen wir ihm durch das Eisentor in einen weitläufigen Hof, in dessen Mitte Frauen und Kinder zusammensitzen, erzählen und lachen. Am Haus führen uns die Treppen hinauf in einen Flur, von dem aus einige Zimmer abgehen. Am Ende des Ganges befindet sich ein Aufenthaltsraum.

Bataia, so stellt sich der junge Mann vor, öffnet die Tür zu eines dieser Zimmer und siehe da, es hat den Anschein, als hätte man heute noch jemanden erwartet. Das Licht brennt und die Klimaanlage hat den Raum bereits auf angenehme Temperaturen gebracht.

Das ist also unser Nachquartier. Nicht schlecht. Es gleicht einem Hotelzimmer, das kann man getrost so sagen, mit Dusche und Toilette. Bataia lässt und allein und meint, falls es noch irgendetwas gibt, er sei unten im Hof.

Nun stellt sich uns nur noch die Frage nach etwas Essbarem. Aber dies scheint eher aussichtslos. Rundherum ist Nacht und nur im Fischwerk gibt es elektrischen Strom, der von einem eigenen Generator erzeugt wird. Wo sollten wir folglich noch etwas zu Essen herbekommen. So bleibt uns eine Packung Kekse, die wir unterwegs gekauft haben.

Der Wassertest ist erfolgreich. Die Dusche funktioniert hervorragend. Als ich nun gerade ein mittleres Prachtexemplar von Kakerlake, die leblos auf dem Rücken vor der Dusche liegt, betrachte, huscht etwas hinter der Toilette hervor. Man hört mich nur noch schreien und aus dem Bad stürzend, versuche ich die Tür hinter mir zuzuschlagen, die jedoch zurückprallt. Eine Ratte! Und sie ist schneller und im Nu hinter dem Schrank in unserem Zimmer verschwunden.

Beate, die auf dem Bett sitzt, hat ihren Kopf vom Buch erhoben und schaut mich fragend an: "Was ist denn los?" "Ja, hast Du denn nicht gesehen?" Vertieft ins Reisehandbuch hat sie nichts von dem haarigen, flinken Gast, der sich nun hinter dem Schrank versteckt, mitbekommen. Nur meinen Schrei und das Knallen der Tür. Und dann war auch schon alles vorbei.

Mir sitzt noch der Schreck in den Gliedern, als ich auf dem Hof Bataia versuche verständlich zu machen, dass er doch bitte gleich mit einem Besen bewaffnet zu uns nach oben kommen soll. Als er versteht, was mir soeben widerfahren ist, muss er lachen.

Die Jagd kann beginnen. Ich schließe die Tür zur Dusche und öffne die Zimmertür weit. Danach setze ich mich zu Beate aufs Bett. Bataia rückt vorsichtig den Schrank zur Seite, während wir sein Tun gespannt beobachten. Nun schlägt er mit dem Besen zu, denn endlich hat die Ratte sich gezeigt und saust jetzt wirr umher, bis sie den Ausgang findet und die Treppe zum Hof.

Hier jedoch scheitern ihre letzten Versuche, in Freiheit zu gelangen. Sie hat noch gar nicht die letzten Stufen geschafft, da wird sie auch schon von den Kindern entdeckt, die ihr jetzt mächtig zusetzen. Johlend und lachend haben sie sie umzingelt und treten nach ihr, bis sie sich nicht mehr bewegt.

Nun wird es Zeit, unser Moskitonetz zu spannen, um darunter gemütlich unsere Packung Kekse zu verzehren.

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14.12.2003-10.01.2004

Anreise Frankfurt - Lissabon - Dakar

1. Tag - Dakar

2. Tag - Dakar - Kaolack

3. Tag - Kaolack - Ziguinchor

4. Tag - Ziguinchor

5. Tag - Ziguinchor - Cacheu (Guinea-Bissau)

6. Tag - Cacheu - Bissau

7. Tag - Bissau

8. Tag - Bissau - Bafata

9. Tag - Bafata - Georgetown (Gambia)

10. Tag - Georgetown

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12. Tag - Bakau

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