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Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

14. Tag - 28.12.2003 - Tanji - Abéné (Senegal)

Heute soll es nur ein paar Kilometer weiter bis nach Gunjur gehen, das kurz vor der senegalesischen Grenze gelegen ist. An der Straße warten wir wieder auf ein Buschtaxi. Aber da die Leute sich jedes Mal wie die Wilden auf ein ankommendes Fahrzeug stürzen, drängeln, schubsen und schieben, haben wir keine Chance mit unseren Rucksäcken.

Wir versuchen es per Anhalter und kurz darauf hält ein Jeep. Ein älterer und ein junger Gambier sitzen im Wagen und fragen, wohin wir möchten. Ins Gunjur Beach Motel . Kein Problem, wir können mitfahren.

Kurz darauf findet ein Fahrerwechsel statt. Der junge Gambier, vielleicht um die 18 - 20 Jahre alt, übernimmt das Steuer. Vorsichtig lässt er die Kupplung los und gibt langsam Gas. Wir haben den Eindruck, er übt wohl gerade das Fahren. Das bestätigt uns dann auch der ältere Herr, der sich uns vorstellt und erzählt, dass er hier in Gamiba nur auf Urlaub ist und in Schweden lebt und arbeitet. In dieser Zeit bringt er seinem Neffen das Autofahren bei.

Polizeikontrolle. Unser jugendlicher Fahrer hat natürlich keinen Führerschein bei sich, weil er ja noch keinen hat. Deshalb beginnt nun eine angeregte Diskussion zwischen dem Beamten und dem Onkel des Jungen. Da die beiden hin und wieder in englisch miteinander sprechen, ansonsten in ihrer Sprache, verstehe ich ein paar Worte: Er ist ja nur zwei Wochen auf Urlaub und so hat er nur diese zwei Wochen Zeit, dem Jungen das Fahren beizubringen. Das muss der Polizist doch verstehen. Das scheint dann auch der Fall zu sein, denn wir können, nachdem sich die beiden Herren lachend verabschiedet haben, weiterfahren.

Am Motel angekommen, das eigentlich eine Bungalowanlage am Strand ist und einem Schweizer gehört, erfahren wir, das leider alles bis auf das letzte Bett ausgebucht ist. Keine Chance ein Zimmer zu bekommen. Wir bedanken uns erst einmal bei unseren Fahrern, die nun ihren Weg fortsetzen.

Das heißt wohl nun Planänderung. Wir entscheiden, gleich weiter in den Senegal zurück zu reisen. Es sind nur etwa 10 km bis zur Grenze. Aber genau in diese Richtung fährt nicht ein einziges Fahrzeug. Alle biegen sie vorn an der Kreuzung zum nächstgrößeren Ort Brikama ab. Vielleicht sollten wir es so versuchen: nach Brikama und von dort aus weiter in den Senegal.

Wir müssen erneut an dem Polizisten vorbei, der uns nun fragt, was denn passiert sei. Hat er uns doch eben mit diesem privaten Fahrzeug in die andere Richtung fahren sehen. Und nun kommen wir zu Fuß zurück. Er versteht und wird jetzt jedes Auto anhalten und fragen ob es nach Brikama fährt. Das Dritte, ein Buschtaxi, nimmt uns dann mit.

In Brikama suchen wir uns ein Fahrzeug nach Abéné, Senegal. Zwei Stunden müssen wir auf Passagiere warten, da wir die Ersten sind. Dafür haben wir uns aber die vorderen Sitzplätze neben dem Fahrer reserviert.

Der Weg führt erst mal wieder durch ländliche Gegend, mitten durch Dörfer, vorbei an erschreckten Hühnern, grasenden Ziegen und Rindern. Es ist die reinste Sandpiste und der Fahrer lenkt jedes Mal eine ganze Umdrehung, um mal ein wenig nach links oder rechts zu fahren.

Dann erreichen wir eine rote, breite Straße, der wir ein paar Kilometer folgen, bis wir die gambische Grenzstation erreichen. Passkontrolle, Ausreisestempel.

Wir fahren noch ein Stück auf dieser recht guten Straße und halten dann plötzlich. Zwei Leute steigen aus und nehmen ihr Gepäck. Weit und breit ist keine Ortschaft zu sehen. Nur Wald, links und rechts der Fahrbahn. Und nun biegen wir plötzlich ab, direkt in den Busch hinein, auf einen schmalen, sandigen Weg.

Erneuter Stopp. Einer der soeben rausgelassenen Fahrgäste steigt samt Gepäck wieder zu. Es geht weiter. Das Buschtaxi schlängelt sich zwischen Bäumen und Sträuchern hindurch und das anscheinend mit möglicher Höchstgeschwindigkeit. Wir streifen einen Baum. Unbeirrt gibt der Fahrer Gas, als hätte er ein Rennen zu gewinnen.

Endlich. Wir verlassen den Busch nach mehreren Kilometern und erreichen wieder die rote Piste. Gott sei Dank. Die Slalomfahrt um Bäume hat wohl nun ein Ende.

Ein Taxi kommt uns entgegen. Es hält, unser Fahrzeug ebenfalls. Unser Fahrer und der des anderen Autos wechseln ein paar Worte. Und unversehens biegen wir nach dieser kurzen Unterhaltung wieder in den Busch ab. Das darf doch alles nicht wahr sein! Wieso verlässt der Buschtaxifahrer schon wieder diese gut ausgebaute Straße und fährt das Fahrzeug stattdessen bäumestreifend, auf einem sandigen Dschungelpfad? Außerdem müsste doch endlich mal die senegalesische Grenzstation auftauchen?

Irgendetwas stimmt doch hier nicht. Der Fahrer schaut auch immer wieder aus seinem Fenster nach hinten und es außerdem scheint irgendjemand oben auf dem Dach zu sein. Diese Vermutung bestätigt sich bald, als plötzlich ein paar Beine von oben vor der Frontscheibe baumeln. Wir schauen uns an. Hier ist doch, im wahrsten Sinne des Worte, etwas im Busch!

Wir atmen auf, als wir endlich eine Teerstraße erreichen. Aber bereits nach ein paar hundert Metern folgt eine Militärkontrolle. Unser Fahrer gibt einem der Soldaten eine Tüte Zucker und einen Beutel Tee unter seinem Sitz hervor und wir können passieren. Wenn wir nur wüssten, wo wir hier sind? Es folgen zwei weitere Kontrollpunkte des Militärs und das gleiche Spiel läuft ab: Ein Griff unter den Fahrersitz, Tee- und Zuckerübergabe, der Uniformierte winkt uns durch.

Und dann halten wir und es heißt, wir sind in Abéné angekommen. Aber wo ist die senegalesische Grenze samt Passkontrolle? Ich frage unseren Fahrer danach und versuche ihm zu erklären, dass wir einen Einreisestempel benötigen. Ohne Einreise, keine Ausreise mehr. Er meint: "Och, das ist kein Problem."

Da es ohnehin zwecklos ist, weiter nachzufragen und wir die senegalesische Grenze mit Sicherheit verpasst haben, nehmen wir uns ein kleines Taxi und lassen uns ins Maison Sunjata bringen. Laut unseres Reiseführers wird diese Anlage am Strand von Abéné von einem deutschen Ehepaar geführt. Und so finden wir bei Franziska und Cherif Aidara, er gebürtiger Senegalese, sie Deutsche, eine Unterkunft.

Gleich nachdem wir unser Zimmer klargemacht haben, erzählen wir von unserer merkwürdigen Fahrt durch den Busch und dem fehlenden Einreisestempel. Und die beiden bestätigen das, was wir schon geahnt haben. Wir sind illegal in den Senegal eingereist.

Die gambischen Buschtaxifahrer besitzen meist keine Lizenz, im Senegal zu fahren und führen oft Schmuggelware mit sich. Somit benutzen sie die Buschwege, um die auf der Strecke stehenden Kontrollposten zu umgehen. Das Militär wird mit Tee und Zucker, wie wir es beobachtet haben, geschmiert.

Aber woher bekommen wir nun unseren Einreisestempel? Das ist kein großes Problem, beruhigt uns Cherif. Morgen früh schickt er seinen Gärtner mit unseren beiden Pässen zur Grenze. Es ist nicht das erste Mal, dass Reisenden so etwas wie uns passiert und da Cherif hier schon seit Jahren wohnt und Gäste hat, kennt man ihn in der Gegend sehr gut. Auch meldet er unsere Pässe telefonisch für morgen an. Kostenlos ist diese Aktionen jedoch nicht. Ein kleiner Betrag für den Stempel sowie das Fahrgeld für den Gärtner sind zu entrichten. Wir sind aber froh, dass das alles noch so glatt gegangen ist.

Spät am Abend machen wir uns noch einmal auf den Weg ins Dorf. Es ist nämlich gerade ein zehntägiges Kulturfestival im Gange, das unter dem Motto "Peace - Paix 2004" steht.

Hunderte von Menschen haben sich vor der Freiluftbühne eingefunden, ganz vorn sitzen oder hocken die Kinder. Bei Trommel und Gesang, farbenprächtigen Kostümen und einem mitwirkenden Publikum bemerken wir gar nicht, dass es schon Mitternacht ist. Stockfinster ist der Weg zurück zum Maison Sunjata .

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14.12.2003-10.01.2004

Anreise Frankfurt - Lissabon - Dakar

1. Tag - Dakar

2. Tag - Dakar - Kaolack

3. Tag - Kaolack - Ziguinchor

4. Tag - Ziguinchor

5. Tag - Ziguinchor - Cacheu (Guinea-Bissau)

6. Tag - Cacheu - Bissau

7. Tag - Bissau

8. Tag - Bissau - Bafata

9. Tag - Bafata - Georgetown (Gambia)

10. Tag - Georgetown

11. Tag - Georgetown - Bakau

12. Tag - Bakau

13. Tag - Bakau - Tanji

14. Tag - Tanji - Abéné (Senegal)

15. Tag - Abéné

16. Tag - Abéné

17. Tag - Abéné

18. Tag - Abéné - Ziguinchor

19. Tag - Ziguinchor - Mbour

20. Tag - Mbour

21. Tag - Mbour - Dakar

22. Tag - Dakar - St. Louis

23. Tag - St. Louis

24. Tag - St. Louis - Dakar

25. Tag - Dakar

26. Tag - Dakar

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