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von FanciskaAidara - . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Reisebericht
11. Tag - 25.12.2003 (1. Weihnachstfeiertag) - Georgetown - Bakau über Soma Beim Frühstück treffen wir eine Familie aus dem Schwabenländle wieder, mit der wir gestern bereits ein paar Reiseerfahrungen ausgetauscht haben. Sie bleiben noch einen Tag länger im Camp und wollen morgen wieder Richtung Küste aufbrechen. Da sie bereits auf dieser Strecke hierher gekommen sind, wissen sie darum, dass diese Straße in besonders schlechtem Zustand ist. Wir sollten eine Zwischenübernachtung einplanen. Nun, wir werden sehen, wie weit wir heute kommen und machen uns nach dem Frühstück auf den Weg, denn wir haben noch, wenn wir alles schaffen wollen, einen langen Weg vor uns. Wie lang er sein wird, ahnen wir noch nicht. Wir setzten an der Stelle über den Fluss, an der wir angekommen sind. Ein wenig warten müssen wir noch auf das Buschtaxi, das direkt nach Soma fährt. Wir erinnern uns, Soma ist der Ort, wo der Trans Gambian Highway Richtung Senegal weiterführt. Das Fahrzeug ist vollgestopft bis obenhin. Fast jeder Fahrgast hat ein Huhn bei sich und wir überlegen, ob es vielleicht eine Art Geschenk oder Mitbringsel zu Weihnachten für Verwandte ist, zu denen man zu Besuch fährt. Der Junge, der neben mir sitzt, hält seinem Federvieh immer wieder eine verrostete Konservendose, die mit Wasser gefüllt ist, unter den Schnabel. Die Straße wird immer schlechter und die Schlaglöcher immer tiefer. Es dreht einem fast den Magen um. Nach vier Stunden Fahrt (ca. 120 km) erreichen wir Soma. Von hier aus müssen wir uns ein Fahrzeug nach Serekunda suchen. Ein junger Mann, der von Georgetown aus mit uns gefahren ist, meint, das dies nicht so einfach werden wird. Viele Leute wollen in diese Richtung, jedoch gibt es nur sehr wenige Buschtaxis dahin, eben wegen des schlechten Straßenzustandes. Er übergibt uns an einen Boy vom Busstand, der sich üblicherweise um Sitzplätze für Fahrgäste kümmert. Zur Zeit weiß noch keiner, wann das nächste Fahrzeug nach Serekunda fahren wird und er zeigt auf die Leute, die ein paar Meter vor uns auf dem Boden sitzen: "Seht, diese Leute warten bereits seit heute Morgen auf einen Bus nach Serekunda." Es folgen die üblichen Diskussionen und Angebote, uns mit Auto oder Taxi an unser Ziel zu bringen. Und das hat natürlich seinen Preis, wenn der Bruder oder der Freund ein Auto hat und den langen Weg auf sich nehmen würde. Es ist bereits Nachmittag, als sich endlich ein Buschtaxi nach Serekunda auf den Weg machen will. Die Leute stürzen sich auf das Fahrzeug und wir dem Boy hinterher, der scheinbar schon Plätze für uns reserviert hat. Auf jeden Fall sind unsere Rucksäcke im Nu auf dem Dach verstaut und wir sitzen drin. Aber dann erfahren wir, dass der Fahrer vor 20:00 Uhr nicht starten will. Die Sonne brennt zu heiß. Das sind noch geschlagene vier Stunden bis dahin! Und es würde bedeuten, wir fahren dann die ganze Nacht. Die Leute beginnen zu schimpfen, denn die meisten von ihnen warten schon seit heute Morgen. Innerhalb der nächsten halben Stunde ist das Buschtaxi wieder leer, auch wir sind wieder ausgestiegen, haben unser Gepäck zurück und sind wieder auf der vergeblichen Suche nach einem Fahrzeug. Plötzlich heißt es gegen 17:30 Uhr, der Fahrer will 18:00 Uhr losfahren. Also wieder zum Bus von vorhin, Rucksäcke wieder auf das Dach und rein auf den Sitz. Ein paar Fahrgäste von heute Morgen bleiben zurück. Sie warten immer noch draußen. Und tatsächlich auf die Minute genau geht es los oder besser gesagt, soll es losgehen. Der Boy steht noch vor dem Fenster und möchte nun Geld von uns sehen. Ich habe noch 5 Dalasi in meiner Hosentasche stecken, die ich ihm hinausreiche. Diese lehnt er aber verärgert ab. Es ist ihm zu wenig. Na dann, denke ich, eben nicht. Das Fahrzeug springt natürlich nicht an und etwa zwanzig Männer versuchen das vollbesetzte und vollbeladene Teil in Gang zu bringen und anzuschieben. Mit Mühe und Not bekommt der Fahrer überhaupt den Gang rein, aber erst beim vierten Versuch springt der Motor an. Erneut beginnt nun eine Diskussion mit dem Boy, der immer noch draußen am Fenster lauert. Er will 25 Dalasi, die ich ihm am Ende missmutig gebe. Aber Peter, der Mann der vor mir sitzt und von hier aus nach Bakau fährt, erklärt mir, dass das vollkommen in Ordnung so ist. Der Boy hat uns zwei Sitzplätze besorgt, für die er ebenfalls zusätzlich etwas bezahlen musste. Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn der junge Mann da draußen uns diese Vorgehensweise vorher erzählt hätte. Das hätte beiderseitige Missverständnisse vermieden. Nun rollen wir aber endlich von der Busstation auf die Straße. Bereits nach wenigen Metern wird klar, dass es wohl eine noch längere Fahrt als angenommen, wird. Die Straße, falls man das überhaupt noch so bezeichnen kann, ist eine einzige Ansammlung von Schlaglöchern und es gibt hier keinen Seitenstreifen, auf den ausgewichen werden könnte. Das Dach knackt und wippt ständig hin und her, von links nach rechts und wieder zurück. Dann die erste Polizeikontrolle. Es ist bereits dunkel. Alle Fahrgäste müssen aussteigen und an dieser Stelle ist dann auch Fahrerwechsel. Ein Zweitfahrer ist mit an Bord, denn es ist sicherlich recht anstrengend, so hochkonzentriert durch die Nacht zu fahren. Meist bewegen wir uns im Schritttempo vorwärts. Nur selten schaltet der Fahrer vom 1. Gang einen Gang höher. Mag der zweite Fahrer 10 km zurückgelegt haben, dann war es viel. Wir müssen anhalten, es geht kein Gang mehr rein. Doch, einer geht noch! Der Rückwärtsgang. Fahrerwechsel, der erste Fahrer geht wieder ans Steuer. Aber nichts geht mehr, außer, wie erwähnt, der Rückwärtsgang. Dann ist der Motor aus. Was das heißt, wissen wir ja. Es müsste wieder angeschoben werden, was auch mehrmals vergebens versucht wird. Das Buschtaxi bleibt nun am Straßenrand stehen, wir steigen alle aus, der Fahrer löscht das Licht. Der Mond und die Sterne sind jetzt noch die einzigen Lichtquellen. Wir stehen draußen in der afrikanischen Nacht und fragen uns, wie es weiter gehen könnte. Eine Taschenlampe leuchtet auf und jemand beginnt auf Metall zu hämmern. Wir sitzen nun also hier fest mit einer Panne. Aus einem Dorf in der Nähe ruft ein Muezzin zum Gebet. Es ist 20:00 Uhr. Zwei Stunden sind wir jetzt unterwegs gewesen, aber wer weiß, wie viele Kilometer wir bereits zurückgelegt haben. 40? 50? Von etwa 300. Hin und wieder kommt ein Fahrzeug aus der Richtung, aus der wir kommen und fährt in die Richtung, in die wir wollen. Wir blicken ihm sehnsüchtig hinterher. Es sind alles vollbesetzte Buschtaxis. Dann nähert sich krachend ein Lkw, der halten muss, da er nicht an unserem Fahrzeug vorbeikommt. Beate fragt sofort nach, ob er weiter nach Serekunda fährt. Ja! Er fährt nach Serekunda und das ist unsere Chance. Der Lkw hat Erdnüsse geladen, die zur Verschiffung nach Serekunda gebracht werden. Auf der Ladung müssen vier oder fünf Jungs sitzen. Einer von ihnen springt herunter und fragt, wo denn unser Gepäck sei. Mit der Taschenlampe sucht er auf dem Dach des Buschtaxis unsere Rucksäcke und wirft sie zu uns herunter. Wir eilen zum Lkw. Beate nimmt mit im Fahrerhaus Platz und ich klettere hinten auf. Ein paar der anderen Fahrgäste sind ebenfalls hinten mit aufgesprungen. Wie viele es sind, kann ich in der Dunkelheit der Nacht nicht erkennen. Unsere beiden Rucksäcke liegen jetzt neben mir. Der Fahrer gibt Gas, lässt den Motor aufheulen. Ich greife nach den Seilen, mit denen die Ladung befestigt ist, um mich festzuhalten. Und mit einem Ruck setzt sich das tonnenschwere Fahrzeug in Bewegung. Der Junge von vorhin, mit seinem braunen Basecape und dem zerfetzten, roten Netzhemd, dessen Namen ich wieder vergessen habe, springt gekonnt während der Fahrt über die Erdnusssäcke und nimmt dann neben mir Platz. Hinter mir liegt noch ein weiterer junger Mann, dessen nackte, kalte Füße ich in meinem Rücken spüre. Der Basecapejunge erzählt mir, dass sie heute Morgen in Basse Santa Su, ganz im Südosten Gambias, gestartet sind und die Ladung nach Banjul bringen, wo sie verschifft werden soll. Dort werden sie auch eine neue Fracht aufnehmen und danach weiter nach Mali fahren. Erster Halt an einer Polizeikontrolle. Taschenlampen leuchten in unsere Gesichter. Es folgen Fragen woher wir kommen und wohin wir wollen. Sämtliche Papiere des Fahrers werden kontrolliert. Die hinteren Passagiere sind abgesprungen und klettern jetzt vorn wieder auf. Und da ist ja auch wieder Peter mit seinem Bruder, die vor mir im Buschtaxi saßen. Die beiden und zwei Senegalesen setzen sich zu uns. Weiter geht es krachend durch die Schlaglöcher mit wahrscheinlich möglicher Höchstgeschwindigkeit. Das Fahrerhaus kippt mal nach links, mal nach rechts und somit weiß man, in den nächsten zwei Sekunden wird man selbst in diese Richtung geworfen und kann sich schon dementsprechend an der Ladung festkrallen. Peter erzählt mir jetzt, woher er mit seinem Bruder überhaupt kommt. Sie waren im Landesinnern. Letzten Mittwoch war ihr Vater gestorben und jetzt sind sie wieder auf dem Nachhauseweg. Und sie wollten heute gern wieder zu Hause ankommen, denn es ist Weihnachten. Aber wie Peter mir schon am Anfang unserer Fahrt sagte: "When you go by an African Bushtaxi, you have to expect everything." Jedoch hätte er selbst es nicht einmal im Geringsten geahnt, die Weihnachtsnacht auf einem Lkw mit einer Ladung Erdnüsse verbringen zu müssen. Die beiden haben auch nur kurzärmelige Hemden an und der Fahrtwind ist kalt. Auch die anderen Jungs zittern wie Espenlaub, haben sie doch noch weniger an und sind barfuss. Ich hatte den kurzen Stopp an der Polizeikontrolle genutzt, um meine Taschenlampe rauszukramen, mein Jeanshemd und einen Pullover. Plötzlich Rufe von hinten. Wir haben einen der Erdnusssäcke verloren. Der Junge neben mir springt auf und arbeitet sich zum Fahrerhaus vor. Aber bis wir halten, sind wir wohl doch schon ca. 1 km gefahren. Langsam bewegt sich der Lkw die ganze Strecke wieder rückwärts, bis wir den Sack wiederfinden, der dann aufgeladen und wieder befestigt wird. Peters Bruder versucht auf meinem linken Bein einzuschlafen. Zu meinen Füßen ruht bereits einer der Senegalese. Links neben mir sitzt Peter. Rechts der zitternde Junge mit dem braunen Basecape, der von irgendwoher eine dünne Decke rausgekramt hat. Die legen wir uns nun über, denn die Nacht wird immer kälter und auch ich fange jetzt an zu frieren. Es gibt noch zwei Polizeikontrollen auf der Strecke. Nach der letzten wird die Straße endlich etwas besser, denn bis hierher wurde bereits gebaut. Wir erreichen Serekunda gegen 1:30. Das waren fünf Stunden mit dem Lkw auf übelster Schlaglöcherpiste. Fünf Stunden eisige Füße im Rücken und kalter Fahrtwind ins Gesicht. Fünf Stunden unter leuchtendem Sternenhimmel durch die afrikanische Nacht. 200 m vor einer Tankstelle ist der Diesel zu Ende. Der Motor stockt und kurz darauf bleiben wir stehen. Wir nehmen unsere Rucksäcke, geben dem Fahrer den vereinbarten Betrag und nehmen uns von hier aus mit Peter und seinem Bruder ein Taxi nach Bakau. Es sind nur noch ein paar Kilometer. Nachdem wir ein stickiges Zimmer für einen überhöhten Preis in einer Seitenstraße in Bakau abgelehnt haben, finden wir im Bakau Guesthouse ein kleines Apartment. Nach einer Dusche fallen wir todmüde ins Bett.
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