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Im Rhythmus der Hitze

Aus der Casamance

Der langjährige Konflikt in der Casamance ist endgültig beendet

von Franziska Aidara, Abéné, Casamance, Senegal: www.senegambia.de

Der Stamm der Dioala, der Reisbauern der Casamance, schuf hier in Jahrhunderten eine einzigartige Kulturlandschaft, wie sie ansonsten in Westafrika nur selten zu finden ist. Der Reis wird teils im Schwemmland des Flusses kultiviert, teils in der Regenzeit (ca. ab Mitte Juli bis Oktober) im sogenannten Trockenanbau, und ist für die Diola das wichtigste Grundnahrungsmittel.

Um die Dörfer findet man Obstplantagen mit Mangos, Papayas, Zitrusfrüchten und Kokospalmen. Ölpalmen liefern das geschätzte Palmöl und –fett sowie den beliebten Palmwein.

Die Casamance vereinigt alle tropischen Klischees in sich, vom sonnigen Klima über weite feinsandige, palmenbestandene Strände bis zu malerisch, in die Feuchtsavanne eingebettete Dörfer.

Die Diola bilden hier in der Casamance die stärkste Volksgruppe, neben einer Anzahl anderer Volksstämme, die hier in friedlicher Koexistenz miteinander leben. Zu Unrecht werden die Diola oft von anderen Stämmen, besonders den Wolof aus dem Osten, geringschätzig als „Leute aus dem Wald“ bezeichnet, die rückständigen alten Kulturen anhängen.

Tatsächlich heben sich die Diola aber auch deutlich von den anderen Stämmen ab. Im Gegensatz zu anderen Volksgruppen haben sie niemals einen Staat gegründet, lediglich Familien- und Dorfgemeinschaften bildeten für sie die einzige Hierarchie. Nur in Gefahrenzeiten vereinigten sie sich unter einem erfahrenen Führer, um sich anschließend wieder zu trennen. Auf diese Weise lebten sie mit ihren Nachbarn in friedlicher Koexistenz.

Die Diola wollten immer ihre Traditionen bewahren. Schon die Franzosen als Kolonialherren hatten ihre Mühe, das schwer zugängliche, mit dichten Tropenwäldern und Wasserläufen durchzogenen Land unter Kontrolle zu bringen. Die Diola weigerten sich Abgaben zu leisten, denn das kleine Volk hatte seine eigene Politikauffassung. Bei ihnen gab es niemals Griots, die das Wissen als Monopol besaßen, auch keine anderweitig übergeordnete politische Struktur. Es gab keine Sklaven und kein Kastenwesen. Einige Dörfer hatten zwar Könige, jedoch mit klar abgegrenzten Befugnissen.

Auch Religionen gegenüber verhielten und verhalten sich die Diola neutral. Im Laufe der Islamisierung im 11. Jahrhundert durch Berberstämme und Marokkaner aus dem Osten und verstärkt durch die Religionskriege im 18. und 19. Jahrhundert nahmen auch die Diola mehr oder weniger den Islam an. Bei ihnen blieb jedoch noch ein Anteil von 25% Anhänger des alten Naturglaubens mit seinen magischen Elementen: Glaube an die Wiedergeburt und Unterwerfung des Individuums unter die Gesellschaft.

Das Christentum konnte sich nicht stark ausbreiten. Zwar gibt es in Ziguinchor seit dem letzten Jahrhundert (um 1820) eine katholische Mission – eine Anzahl Diola tragen dem katholischen Glauben bei und sind bislang treue Christen. In letzter Zeit ist die Zahl der Christen im Ansteigen, da die katholische Kirche gegenüber der Verknüpfung mit alten, tiefverwurzelten afrikanischen Traditionen großzügiger geworden ist.

Das ständige Aufbegehren der Diola gegen eine staatliche Bevormundung hat also eine jahrhundertealte Tradition.

„Wolof Sunugal“, was für die Diola eventuell einer Herabminderung gleichkam, waren doch die gebildeten Wolof diejenigen, die die Diola zu bevormunden suchten und sie als „Leute des Waldes“ bezeichneten oder sogar als rückständig.

Vielleicht hat sich auch bisher kein Staatsmann um diese Volksgruppe eingehend bemüht, angefangen mit dem berühmten Leopold Sedar Senghor, der den Staat 1960 in die Unabhängigkeit führte und das Amt 1980 an Abdou Diouf weitergab, der dann im September 1999 abgewählt wurde und das Amt an Abdoulay Wade übergeben musste.

Diouf hinterließ ein recht abgewirtschaftetes Land, von Misswirtschaft und Korruption gebeutelt. Wade hat seit Senghor um die Präsidentschaft gerungen, wurde von Diouf mehrfach inhaftiert, um dann endlich den Sieg davon zu tragen. Gerade in der Phase der Übernahme, der für Wade schwierigen Zeit, kam es wiederholt zu massiven Angriffen der Diola.

Es begann noch in der Amtszeit von Diouf mit dessen Einmischung in bewaffnete Auseinandersetzungen um die Präsidentschaft in Guinea-Bissau. Hier kamen durch Guineas Militärs Waffen und Landminen in die Gegend um Ziguinchor.

Diese Terroraktionen wurden niedergeschlagen. Diouf verhandelte mit den Rädelsführern und man sah den Konflikt als beendet an. Rebellen legten in Ziguinchor die Waffen nieder.

Der Haupträdelsführer der Diola, ein katholischer Priester namens Aba Dianakum Senghor und ein Freund des gambischen Präsidenten Dr. Alhaji Yahyah A. J. J. Jammeh, ging mit seinem Adjutanten Sidi Naji nach Gambia. Man erhoffte sich nun endlich Friede, doch die Hoffnung täuschte.

Versprengte Rebellengruppen sammelten sich nach beinahe zwei Jahren erneut und diesmal an der Atlantikküste und der gambischen Grenze. Im Juni 2001 überfällt eine Gruppe das Manding-Dorf Abéné – es kommt zu Plünderungen und Zerstörung der Telefonverbindungen.

Im April 2002 ereignet sich ein Überfall auf das benachbarte Fischerdorf Kafountine mit Plünderungen, Brandschatzung und Tötung mehrerer Menschen.

In einem Radiointerview am nächsten Tag distanziert der ehemalige Rebellenführer Senghor von den Überfällen: „Alle Rebellen haben derzeit die Waffen niedergelegt. Es kann sich hier nur um Banditen handeln, die sich aus versprengten Rebelleneinheiten zusammengesetzt haben.“

Bei den Aktionen werden Banditen festgenommen und getötet. Einer Gruppe jedoch gelingt die Flucht mit einer Piroge in die Bolongs von Kafountine. Drei Tage später überfallen sie jedoch erneut Abéné und Diannah.

Schon ein erster Aufruf von Präsident A. Wade erfolgte ohne Resonanz und so sandte die Regierung Ende April 2002 bewaffnete Einheiten – Marine, Luftwaffe und Fußtruppen mit Spähwagen - in das Gebiet, um in dem unwegsamen Buschgelände die Banditennester auszuheben. Es kam noch zu zwei weiteren Überfällen in der Nähe von Ziguinchor. Militäreinheiten machten dem Spuk ein Ende.

Anschließend kam es zu Großkundgebungen der Bevölkerung, endlich Friede in die Casamance zu bringen. Diolafrauen forderten ihre Männer und Söhne auf, aus dem Busch zu kommen und die Waffen niederzulegen. Und Präsident Wade sicherten allen Amnestie zu.

Ende 2002 finden sich die Rebellenführer in Ziguinchor ein und versichern nachdrücklich den endgültigen Frieden .

Der Präsident fordert nun alle jungen Männer, besonders Handwerker, auf, sich zum Wiederaufbau der Casamance zu melden. Viele folgen dem Ruf und so bevölkern sich langsam wieder die verlassenen Diola-Dörfer, Häuser werden wieder aufgebaut, Lebensmittelspenden helfen über die ärgste bis zur neuen Ernte 2003.

Mais und Erdnüsse bringen 2003 einen großen Ertrag. Eine große „Fesnac“, ein folklorisches Fest von vier Tagen, besiegelt den endgültigen Frieden für die Reisbauern der Casamance.

Dieser Friede ist dem amtierenden Präsidenten Abdoulay Wade zu verdanken, der alles Mögliche in Bewegung gesetzt hat, die Casamance nicht nur zu einem schönen, sondern auch friedlichen Land zu gestalten.

Wo ist die Casamance?

Sie suchen auf der Landkarte die Casamance? Nehmen Sie Afrika! Sie sehen Marokko, darunter Mauretanien und dann weiter westlich stoßen sie auf den Senegal. Es ist das Tor zu Schwarzafrika.

Der obere östliche Teil des Senegals liegt in der Sahelzone, ein wüstenhafter Landstrich – Trockensavanne mit hohen Gräsern und vereinzelten Akazienbäumen und Baobabs, den Affenbrotbäumen. Hier liegt die Hauptstadt Dakar und fast an der Grenze von Mauretanien die ehemalige Hauptstadt Französisch-Westafrikas, Saint Louis, die als Weltkulturerbe gilt.

Am Atlantik traumhafte Sandstrände mit touristischen Zentren an der Petite Cote und im Sine-Saloum-Delta.

Im zweiten Drittel des Senegals schiebt sich das kleine Land Gambia als ehemalige englische Kolonie entlang des Gambia Rivers ein. Dieses Staatsgebilde umfasst lediglich eine Fläche von 11.295 km2, wovon 948 km2 auf die Wasserfläche des Gambia Rivers fallen.

Unterhalb von Gambia liegt das dritte Drittel des Senegals – die Casamance. Dieser Landstrich hat seinen Namen vom Casamace-Fluss. Er entspringt im Osten, nahe der Stadt Kolda, und windet sich 300 km als breiter Strom ohne Gefälle durch das flache Land und mündet dann in den Atlantik.

In seinem letzten Drittel bildet der Fluss ein riesiges Delta – sogenannte Bolongs sorgen für ein wirres Geflecht malerischer, mit Mangroven dicht bewachsener Wasserstraßen - ein Paradies einer vielfältigen Vogelwelt.

Die sogenannte Basse Casamance mit der Hauptstadt Ziguinchor umfasst bis zum Atlantik ein Gebiet von 28.000 km2 – etwa die Größe Belgiens.

Die Savanne weicht in der Casamance immer mehr einer immergrünen, tropischen Vegetation. Hohe Palmwälder, vornehmlich im Küstenbereich, mächtige Kopakbäume mit ihren Bettwurzeln, Eukalyptuswälder, Baobabs und Reste des Regenwaldes beherrschen die Landschaft. Das tonige Schwemmland des Flusses gestattet einen intensiven Feldbau.

Touristisch ist die Casamance kaum erschlossen. Es gibt jedoch in einigen Dörfern sogenannte Dorfcampements, die gern von Reisegruppen und hauptsächlich von Individualreisenden frequentiert werden.

An der Atlantikküste mit dem sauberen feinsandigen Stand gibt es privat geführte Campements mit afrikanischem Ambiente, einige Mittelklassehotels bis hin zum Cape Skiring, nahe der Grenze zu Guinea-Bissau.

Franziska Aidare (Ende Januar 2004)


Ich danke hiermit Franziska und Cherif Aidara aus Abéne noch einmal für ihre Gastfreundschaft und all das, was wir von ihnen erfahren haben, und was wir bei ihnen erleben durften.

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