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Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

8. Tag – 13.02.2003 Ruhengeri Gorilla Trekking – Gisenyi (Lake Kivu)

6:00 Uhr klingelt unser kleiner Reisewecker. In anderthalb Stunden ist Treffen vor dem ORTPN-Office, das sich schräg gegenüber unseres Hotels befindet. Wir packen noch ein paar Sachen zusammen: Regenjacke und –hose, ein Paar Gartenhandschuhe und etwas zu trinken. Zum Frühstück nehmen wir heute nur eine Kleinigkeit zu uns, um nicht mit vollem Magen auf Tour zu gehen.

Am Treffpunkt haben sich schon einige Pick-ups und Jeeps eingefunden. Während wir noch auf unseren Fahrer warten, treffen wir auf Jeff, einen jungen Kanadier. Er ist erst gestern Abend direkt von Kampala aus mit dem Flugzeug nach Ruanda gekommen. Erst jetzt durch uns erfährt er, dass er selbst für den Transport zum Nationalpark zu sorgen hat. Er kann natürlich mit uns fahren, das teilt dann auch die Kosten durch drei.

Unser Fahrer ist pünktlich und als sich alle Teilnehmenden gesammelt haben, starten wir. Jetzt steigt langsam die Aufregung in uns. Die Schotterpiste bis zum Hauptquartier des Nationalparks hat es in sich. Angekommen, werden die Permits kontrolliert und nachdem wir uns für eine Gorillagruppe entschieden haben, wird uns ein Guide zugeteilt, dessen Namen ich sofort wieder vergessen habe. Ich habe schon mit dem Namen des Hotels Schwierigkeiten, mir ihn zu merken und mit dem der Gorillagruppe, die wir besuchen wollen.

Es wird die Amahoro Group sein, die heute noch 12 Tiere zählt. Einst waren es 19, jedoch hat sich die Gruppe vor geraumer Zeit geteilt. Jeff schließt sich uns an, da die Fahrzeuge zu den vier unterschiedlichen Gruppen auch an verschiedene Stellen des Parks fahren. Ein Amerikaner kommt ebenfalls mit uns. Nun sind wir vier Personen für diese Tour plus einem Guide und zwei weitere bewaffnete Führer.

Wir fahren zum Ausgangspunkt der Tour. Das Wetter ist heute in Ordnung. Es ist bewölkt, aber es regnet glücklicherweise nicht. Der Guide erzählt uns, dass es vor vier Tagen richtig geregnet hat und dann sind natürlich die Pfade im Busch schlammig und rutschig. Das bleibt uns erspart.


Die Piste wird immer schlechter und wir kommen nur noch im Schritttempo voran. Manchmal droht das Fahrzeug in den Straßengraben zu kippen. Am Parkeingang erwarten uns zwei weitere Bewaffnete. Von hier aus geht es zu Fuß weiter, vorbei an einem Kamillenblumenfeld auf der einen Seite und einem Kartoffelfeld auf der anderen. Einer der Vulkane thront direkt vor uns und irgendwo dort oben verläuft die Grenze zur Demokratischen Republik Kongo.

Schon hier, auf dem kurzen Weg bis zum Dschungel, der nur eine ganz leichte Steigung aufweist, spürt man, wie dünn die Luft ist. Wir sind jetzt auf über 2.500 m Höhe. Von nun an, da wir den Busch betreten haben, geht es auf schmalem, teilweise matschigem Boden und durch dichtes Gestrüpp, manchmal mehr kletternd als laufend, bergauf und dann wieder bergab.

Vierzig Minuten Fußmarsch sind bis zum Erreichen der Gorillas veranschlagt. Der Amerikaner und ich, wir keuchen am meisten und er scheint auch recht froh darüber zu sein, wenn ich um eine kurze Verschnaufpause bitte. Aber auch unser Guide bleibt hin und wieder stehen - das begrüße ich natürlich außerordentlich - und zeigt uns verschiedene Pflanzenarten und Früchte, die von den Gorillas bevorzugt verspeist werden. Er steht auch in ständigem Funkkontakt mit den Leuten, die die Tiere heute Morgen aufgespürt haben.

Plötzlich, ich wollte schon fast schlapp machen, hören wir die ersten Gorillas. Und dann ist es endlich soweit. Wir sehen die schwarzen Kolosse von oben aus in einer Senke. Kurz darauf treffen wir auf die Späher, die uns die Positionsdaten für das GPS durchgegeben haben. Bei ihnen müssen wir unsere Taschen abgeben und dürfen nur noch mit dem Fotoapparat weiter. Wir sind jetzt auf genau 2.853 m Höhe.

Von nun an geht es durch dichtes Gestrüpp und Unterholz hinunter in die Senke, dieses Mal mehr rutschend als kletternd. Die Gartenhandschuhe, die man uns empfohlen hat mitzunehmen, schützen vor den vielen Nesseln. Aber sogar noch durch die Handschuhe hindurch spürt man sie hin und wieder.

Die Führer sagen zwar, dass man nicht näher als 7 m an die Tiere heran darf, meist ist es aber überhaupt nicht möglich, diese Distanz einzuhalten. Die Gorillas kennen diese Vorschrift nicht und so sind es dann doch nur 1-2 m. Man könnte sie fast berühren.

Überwältigt beobachten wir die Tiere, die sich gerade ausruhen. Die kleinen Gorillababys hüpfen spielend durch die Gegend. Der Silberrücken, ein beeindruckendes Exemplar von etwa 200 kg, liegt gelangweilt zwischen den Blättern. Als er sich erhebt, erheben sich auch die anderen und folgen ihm. Wir natürlich auch.

Jetzt geht es ans Fressen. Es wird auf die Bäume geklettert und Äste abgebrochen, gekaut, wieder runtergeklettert. Es ist echt Wahnsinn, den Tieren so nahe zu sein, dass man in ihre braunen Augen schauen kann. Dass man sie fast anfassen, ihr schwarzes Fell streicheln könnte. Dass man beinahe ihren Atem spürt. Trotzdem beachten sie uns kaum.

Insgesamt verbringen wir eine Stunde in ihrer Mitte, dann müssen wir uns langsam wieder zurückziehen. Auf dem Rückweg, der jetzt nicht mehr so anstrengend ist, weil es vorwiegend abwärts geht, sind wir uns alle einig: Jeder einzelne Dollar war es wert und wer einmal in Ruanda ist, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen.


Erschöpft, aber ebenso begeistert von der Tour, stärken wir uns im Restaurant. Jeff muss nun erst einmal auf die Bank, um uns seinen Anteil zu geben. Ich sage ihm, dass es kein Problem wäre, wenn er ihn uns in Dollar gibt. Darauf erwidert er: „Ich habe nur eine Kreditkarte bei mir, kein Bargeld.“ Von dem Moment an ist uns klar, dass wir auf seinen Anteil verzichten müssen. Denn hier im tiefsten Afrika mit einer Kreditkarte auf einer Bank Geld zu bekommen, ist wohl ziemlich aussichtslos (siehe mein Reisebericht Kamerun. Den Spruch: „Die Welt spricht Visa“ sollte man hier nicht zu ernst nehmen).

Damit hätte Jeff dann ein Riesenproblem am Hals, denn er muss wenigstens noch sein Hotelzimmer für die letzte Nacht bezahlen und auch irgendwie wieder zurück nach Kampala, um seinen Flug nach Tansania zu erreichen. Was wir uns jedoch auch fragen, letzte Nacht muss er ja von Kigali aus irgendwie hierher gekommen sein? Womit hat er diese Fahrt bezahlt? Ist er vielleicht auf diese Art und Weise unterwegs und schlägt sich so durch?

Egal, wir müssen weiter. Als wir im Minibus nach Gisenyi sitzen und wieder einmal auf die Abfahrt warten, wer kommt da mit seinem Rucksack gelaufen? Jeff. Beate springt noch einmal aus dem Fahrzeug, da sie vorn sitzt und erfährt, dass er jetzt mit einem der Hotelangestellten auf der Suche nach einer Bank ist, die endlich seine Kreditkarte akzeptiert. Schade, dass wir nicht mehr erfahren werden, wie es bei ihm weitergeht.

Kurz vor Gisenyi müssen wir in einen anderen Kleinbus umsteigen, da unterwegs so viele Leute ausgestiegen sind, dass unserer nur noch halbvoll ist. Das bequeme Reisen, welches wir auf dieser Fahrt schon begonnen haben zu genießen, ist nun wieder vorbei. Es wird jetzt alles und jeder in das andere Fahrzeug gequetscht.

Gisenyi liegt direkt am Lake Kivu. Es muss einmal ein Urlaubs- und Badeort gewesen sein, denn die Uferstraße wird von ehemaligen Kolonialhäusern mit großen, blühenden Gärten gesäumt. In einem dieser Häuser befindet sich eine kleine Pension namens Café du Lac, die drei Zimmer vermietet. Hier wollen wir übernachten.

Als wir den Empfangsraum betreten, der wohl zu früheren Zeiten das Wohnzimmer gewesen sein muss, ist erst mal keine Menschenseele zu sehen. Dann entdecken wir auf einer Couch in der Ecke einen schlafenden Mann. Mein dreimaliges Hallorufen weckt ihn nicht. Wir gehen näher und rütteln ihn vorsichtig. Ohne Erfolg. Ob er noch lebt? Wir beugen uns beide über ihn und rütteln etwas kräftiger an seinem Arm. Mit einem Mal schlägt er seine Augen auf, zuckt zusammen als er uns erblickt, gibt einen Schrei von sich und springt mit einem Satz hoch. Dann müssen wir alle lachen. Was mag wohl im Augenblick des Erwachens, als er unsere beiden weißen Gesichter direkt vor sich gesehen hat, die eine noch mit knallroten Haaren, in seinem Kopf vorgegangen sein. Er schüttelt immer noch mit dem Kopf und grinst vor sich hin, als er uns die Treppe zu unserem Zimmer hinaufführt.

An den Räumlichkeiten im Haus hat sich in den letzten Jahrzehnten, seit die Kolonialmacht abgezogen ist, wohl nicht viel verändert. Nicht einmal die Lampen oder die Badewanne und die Toilette sind jemals ausgetauscht worden. Der Blick aus dem Fenster unseres Zimmers zeigt einen wunderschönen, gepflegten Garten mit einer Hecke und dahinter den See. Vom Empfangsraum in der unteren Etage geht man auf eine große Terrasse, die mit Blumen gesäumt ist. Hier lässt es sich aushalten.

Bevor die Sonne untergeht, unternehmen wir noch einen kurzen Spaziergang. Die Uferstraße führt direkt an den Grenzübergang zum Kongo, der nur etwa einen halben Kilometer entfernt ist. Nach wenigen Minuten stehen wir am Schlagbaum. Die Häuser auf der anderen Seite gehören bereits zu Goma. Im Immigration Office erkundigen wir uns nach einem Visum für den Kongo. Jedoch sind uns die 30 US$ für einen Tagesausflug am Ende doch zu viel und wir streichen diesen Ausflug aus unserem Programm.

Im Januar letzten Jahres ist der Nyiragongo Vulkan ausgebrochen und hat einen Großteil von Goma zerstört. Es soll heute noch so wie vor einem Jahr aussehen. Überall in der Stadt erstarrte Lava.

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06.02.-04.03.2003

1./2. Tag - Frankfurt - Dubai

3. Tag - Dubai - Nairobi - Entebbe

4 . Tag - Kampala - Masaka -Mbarara


5. Tag - Mbarara - Kigali (Ruanda)

6. Tag - Kigali - Nyamata

7 . Tag - Kigali - Ruhengeri

8. Tag - Ruhengeri - Gisenyi

9. Tag - Gisenyi

10. Tag - Gisenyi - Goma (DRC)

11. Tag - Gisenyi - Kabgayi

12. Tag - Kabgayi - Kabale (Uganda)


13. Tag - Lake Bunyonyi


14. Tag - Kabale - Fort Portale


15. Tag - Fort Portale

16. Tag - Fort Portale - Kibale Forest NP

17. Tag - Kibale NP - Kampala

18. Tag - Kampala - Jinja

19. Tag - Jinja - Sipi Falls

20. Tag - Sipi Falls

21. Tag - Sipi Falls - Entebbe

22. Tag - Entebbe

23. Tag - Entebbe - Kampala

24. Tag - Kampala

25. Tag - Kampala

26./27. Tag - Kampala - Dubai - Frankfurt