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Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

6. Tag – 11.02.2003 Kigali – Nyamata

Heute Morgen scheint zum ersten Mal so richtig die Sonne. Das Tal, in welches wir blicken können, liegt in Dunst und Nebel gehüllt.

Die Frühstückskarte bietet eine reichliche Auswahl. Ich nehme ein Omelette und Beate bestellt Marmelade und Butter. Unbedingt Butter! Das betont sie noch einmal. Die Zubereitung dauert. Wir warten eine Viertelstunde, eine Halbestunde. So lange kann man doch kein Omelette braten? Dann kommt der Kellner. Er hat eine große Schüssel in der einen Hand, einen Teller in der anderen, den er vor Beate auf den Tisch stellt. Nun beginnt er mit einer Kelle zu schöpfen. Wir schauen uns erstaunt an und dann lachen wir beide los. Spinatsuppe! Zwei Kellen voll zum Frühstück. „Na, dann lass es Dir mal schmecken, Beate.“

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass das englische Wort für Butter ähnlich klang, wie die Spinatsuppe, die am Ende auf der Rechnung stand. Ein paar Worte französisch sind für Ruanda sehr angebracht. Zwar gibt es viele Ruander, die wegen des Genozids eine Zeit lang in Uganda im Exil gelebt und dort englisch erlernt haben, jedoch trifft man nicht oft auf welche. Und so bleibt das Französische, neben dem Kinyarwanda, die Hauptverkehrssprache.


Wieder geht es steil bergauf ins Stadtzentrum. Unser erster Weg ist eine Bank. Immerhin hat sie heute geöffnet, aber Dollars werden hier keine getauscht. Das erledigen wir dann bei den Jungs auf der Straße. Als nächstes zum ORTPN-Office (Tourismusbüro von Ruanda), um uns die Genehmigung (Permit) für das Gorilla Trekking zu kaufen, welches US$ 250 pro Person kostet. Wir wollen morgen weiter nach Ruhengeri fahren und für den übernächsten Tag die Tour buchen. Es gibt hier jede Menge Informationsmaterial: Karten, Straßen- und Stadtpläne von Kigali, Souvenirs, Videos und auch den Bradt Travel Guide (den Reiseführer, den auch wir benutzen). Die junge Frau hinter dem Counter ist jedoch nicht sehr auskunftsfreudig.

Mit dem Permit in der Tasche fahren wir mit zwei Mopeds zum Buspark. Übrigens sind die Mopedtaxis die beste und preisgünstigste Möglichkeit, sich in den Städten fortzubewegen. In Ruanda, wie auch in Uganda.

Wir halten Ausschau nach einem Matatu, das nach Nyamata fährt. Dort befindet sich in einer Kirche eine der Gedenkstätten an den Genozid von 1994.

Wieder heißt es warten. Es fehlen noch etliche Fahrgäste. Eine Stunde vergeht, die wir teils mit Herumschlendern auf dem Gelände des Busparks verbringen, teils im Bus. Nach einer Stunde entscheiden wir uns, noch einmal zurück in die Auberge zu gehen. Gestern in Mbarara, als ich auf der öffentlichen Toilette war, habe ich mir zweimal beim Öffnen der Tür den Finger aufgerissen. Die Wunden sind nicht sehr groß, aber mein Finger wird immer dicker, schmerzt, die Risse sind entzündet und beginnen zu eitern.

In der Unterkunft wird operiert, mit Nadel, Desinfektionstuch und Jodsalbe, die ich aus unerklärbaren Gründen eingepackt hatte. Anschließend wird mein Finger gut verbunden. Das Problem hier ist auch, dass man ständig schmutzige Hände bekommt, schon durch den vielen Staub und die Hitze, und keine Gelegenheit zum Waschen hat.

Erneut machen wir uns auf den Weg zur Busstation. Nach der Begutachtung des Kleinbusses (halbvoll), entschließen wir uns, in ein Taxi zu investieren. Es ist bereits Nachmittag und wer kann einem schon sagen, wann Abfahrt des Busses ist.

Bevor wir fahren können, müssen wir noch kräftig um den Preis feilschen. Das scheint hier allgemein für Europäer so üblich zu sein. Es ist auch angebracht, es im Vorfeld zu tun, sonst kann man bittere Überraschungen erleben.

Bevor es richtig losgehen kann, müssen wir noch zur Tankstelle, um Luft auf die Reifen zu pumpen und ein paar Liter tanken. Kaum haben wir Kigali verlassen, geht es weiter auf roter, staubiger Schlaglochpiste, vorbei an Dörfern, Bananenplantagen, Feldern und im Hintergrund die wolkenverhangenen Berge. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 20-30 km/h benötigen wir reichlich eine Stunde bis zu unserem Zielort.

Nyamata ist ein weitläufiges, breitgezogenes Dorf, in dem es einige Kirchen gibt. Unser Fahrer muss mehrmals nachfragen, bis wir endlich diese eine Kirche finden. An der Eingangstür ein übergroßes Schild, auf dem in Kinyarwanda geschrieben steht: „Hättest Du mich gekannt, hättest Du mich nicht getötet.“ Dies übersetzt uns der Guide, der uns auch durch die Kirche führt.

Das Gotteshaus wurde nach dem Genozid aufgeräumt und ansonsten so belassen. Das Aluminiumdach und die Türen gleichen einem Sieb. Sie sind von Einschüssen durchlöchert. An der Wand neben dem Altar kann man noch blass das Blut erkennen, dass hier literweise geflossen ist und an die Wände gespritzt sein muss. Mehrere tausend Menschen sind in dieser Kirche bestialisch umgebracht worden.

In der Mitte des Gebäudes führt eine Treppe hinab in einen Raum, der erst nach dem großen Töten angelegt wurde. In einer Glasvitrine liegen die Knochen von ein paar Dutzend Opfern. Ganz unten auf dem Fußboden steht ein einzelner Sarg. In ihm liegen die Überreste einer 25jährigen Frau. Leider kann ich nicht viel von dem verstehen, was der Guide darüber zu erzählen hat. Er spricht nur sehr wenig englisch und versucht auf französisch und mit Händen und Füßen zu erklären. Aber auch das Wenige, was ich verstanden habe, übersteigt bei weitem unser Vorstellungsvermögen von Grausamkeit und ich lasse es an dieser Stelle vorzugsweise weg.

Draußen, direkt neben der Kirche, befindet sich das Grab einer Italienerin. Bereits 1992 wollte sie die Weltöffentlichkeit darüber informieren, was sich in diesem Land zusammenbraut. Beauftragte der damaligen Regierung haben sie zum Schweigen gebracht. Sie wurde von ihnen erschossen.

Ein Stück hinter der Kirche befinden sich zwei weitere unterirdische Räume. In einer Art Nischen, dreistöckig übereinander, liegen die Gebeine und Schädel von 20.000 Menschen gestapelt. Von etwa 10.000, die in Nyamata abgeschlachtet wurden und weiteren 10.000 die in den Wäldern um den Ort aufgefunden worden sind. Schon wenn man die Treppen hinabgeht, kommt einem ein muffiger, fauliger, stechender Geruch in die Nase gestiegen.

Dieses ganze Dorf hier ist einfach nur unheimlich und grauenerregend. Und dieses bewölkte, regnerische Wetter gibt noch den Rest dazu. Obwohl wir uns ohnehin nicht vorstellen können, was sich damals 1994 hier abgespielt hat, kommen einem Berge von Leichen, Macheten, abgetrennten Gliedmaßen und Köpfen, von denen man damals nur hörte, in den Sinn. Irgendwie wollen wir beide wieder weg hier. Noch jetzt, ein paar Monate später, da ich dieses niederschreibe und ich Nyamata wieder vor meinen Augen sehe, läuft es mir kalt den Rücken runter.

Ich frage unseren Guide, wer jetzt hier im Ort lebt, wurden doch damals fast alle Einwohner getötet. Es seien nur noch sehr wenige von damals übrig geblieben, sagt er. Der Großteil der heute hier lebenden Menschen kommt aus den Nachbarländern Burundi, Tansania, Uganda und Kongo.

Unser Taxifahrer scheint diesen Platz hier auch noch nicht gekannt zu haben, denn er hatte sich unserer Besichtigung interessiert angeschlossen. Er ist also nicht wieder zurück nach Kigali gefahren, allein schon in der Annahme, uns wieder mit zurücknehmen zu können. Darüber sind wir auch ganz froh, denn außer ein paar Fahrrädern sind hier keine Fahrzeuge auszumachen.

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06.02.-04.03.2003

1./2. Tag - Frankfurt - Dubai

3. Tag - Dubai - Nairobi - Entebbe

4 . Tag - Kampala - Masaka -Mbarara


5. Tag - Mbarara - Kigali (Ruanda)

6. Tag - Kigali - Nyamata

7 . Tag - Kigali - Ruhengeri

8. Tag - Ruhengeri - Gisenyi

9. Tag - Gisenyi

10. Tag - Gisenyi - Goma (DRC)

11. Tag - Gisenyi - Kabgayi

12. Tag - Kabgayi - Kabale (Uganda)


13. Tag - Lake Bunyonyi


14. Tag - Kabale - Fort Portale


15. Tag - Fort Portale

16. Tag - Fort Portale - Kibale Forest NP

17. Tag - Kibale NP - Kampala

18. Tag - Kampala - Jinja

19. Tag - Jinja - Sipi Falls

20. Tag - Sipi Falls

21. Tag - Sipi Falls - Entebbe

22. Tag - Entebbe

23. Tag - Entebbe - Kampala

24. Tag - Kampala

25. Tag - Kampala

26./27. Tag - Kampala - Dubai - Frankfurt