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MC erzählt ihre Geschichte - . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Reisebericht
10. Tag – 15.02.2003 Gisenyi - Goma (Demokratische Republik Kongo) Zu Fuß, wie schon am Tag unserer Ankunft, geht es zum Grenzübergang. Auf ruandischer Seite verlaufen die Ausreiseformalitäten zügig und problemlos. Auf kongolesischer Seite kann man auf unsere 50 US$-Scheine nicht rausgeben (das Visum kann nur in US$ bezahlt werden). Die Geldwechsler auf der Straße sind nicht gewillt, uns einen Schein, trotz voller Geldbörse, zu wechseln. Der Grund ist nicht erkennbar. Warum nehmen sie keinen 50 US$-Schein und geben uns kleinere Scheine zurück? Erst als wir den Immigration Officer herbeiholen, lässt sich einer der Jungs doch überreden.Jetzt haben wir das Visum und wechseln hinter den Schlagbaum hinüber nach Goma. Gleich am ersten Kreisverkehr stehen die uns wohlbekannten Mopedtaxis. Zwei von ihnen sprechen wir an und handeln einen Preis für zwei Stunden durch Goma fahren aus. Zuerst bringen uns die beiden etwas außerhalb von Goma an eine Stelle, wo die Magma im letzten Jahr aus dem Erdinneren trat und sich meterhoch auftürmte. Aus einigen Ritzen treten kleine Wölkchen Schwefeldämpfe. Wir klettern auf einen dieser Lavahügel. Die Hitze ist fast unerträglich. Das schwarze, brüchige Gestein, das sich kilometerweit erstreckt, ist glühend heiß unter der tropischen Sonne. Auf dem Rückweg in die Stadt kommen wir an der ehemaligen katholischen Kathedrale vorbei. Sie steht bis zu Hälfte ausgebrannt in der Lava. Überall wo man hinblickt, bauen die Menschen ihre Hütten wieder auf, direkt auf das Gestein. Aus Holz, Blech, Plastiktüten und aus der Lava selbst errichten sie ein neues Zuhause. Wir fragen unsere Mopedtaxifahrer, ob sie wissen, wo in Goma die Deutschen arbeiten und ob sie uns dahin bringen könnten. Am anderen Ende der Stadt, das vom Lavastrom verschont wurde, liegt, hinter einem großen Eisentor, das weitläufige Gelände einer Organisation der EU. Hier sollen auch die Mitarbeiter der AAA (Agro Action Allemande) zu finden sein. Ein Pförtner lugt durch ein kleines Fenster im Tor. Ich sage ihm, dass wir auf der Suche nach den Deutschen sind, die hier arbeiten. Wir würden ihnen gern einen Besuch abstatten, da wir selbst aus Deutschland kommen. Er öffnet und lässt uns eintreten. Dann führt er uns unter schattenspendenden Bäumen in einen Flachbau. An einem Schreibtisch sitzt ein Mann, dem wir kurz schildern, weshalb wir hier sind. Er sagt, dass er Franzose ist und es bedauert, dass keiner der drei Deutschen, die hier tätig sind, momentan im Haus ist. Sie sind irgendwo draußen. Das ist echt schade. Wir schauen uns gerade die Fotos an, die an einer großen Pinwand befestigt sind und die Stadt während des Vulkanausbruchs zeigen, da betritt ein älterer, grauhaariger Herr den Raum. Er begrüßt uns auf englisch und fragt ebenfalls, was uns hierher treibt. „Interessant!“ meint er. „Die letzten Touristen, die bei uns vorbei geschaut haben, waren, glaube ich, vor 4 oder 5 Jahren da.“ Ich sage ihm, dass wir es bedauern, dass keiner unserer Landsleute anwesend ist. Wir hätten doch gern, wenn es möglich gewesen wäre, ein wenig darüber erfahren, was sie hier arbeiten. „Na, dann kommt mal mit in mein Büro,“ meint er plötzlich auf deutsch. „Ich bin Günther und Ihr habt echt Glück, dass ich gerade hier bin. Gestern war ich den ganzen Tag draußen unterwegs. Wenn Ihr Kaffee möchtet, der steht da hinten,“ und er zeigt auf eine Thermoskanne. Günther ist Agraringenieur und seit vier Monaten hier in Goma. Vorher war er in Haiti, Niger und anderen afrikanischen Ländern tätig und das seit insgesamt 20 Jahren. „Ich fahre nachher in eine kleine Stadt, um Ersatzteile für eine Maniokmühle hinzubringen. Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr mitkommen.“ Na, und ob wir die haben. Mit der AAA unterwegs im Kongo, wenn das nichts ist. Vorerst müssen wir aber noch in der sogenannten Garage vorbei, um die Ersatzteile für die Mühle zu laden. Dort treffen wir auch einen der anderen Deutschen. Er ist der Chef von diesem Fuhrpark. Auch ein älterer Herr, der sich freut, zwei Frauen aus Deutschland hier in Goma zu sehen. Wir plaudern ein wenig über unseren Reiseablauf. „Ja,“ meint er, „bei den Gorillas in Ruanda bin ich vor kurzem auch gewesen. Es ist unheimlich beeindruckend, aber die Tour hoch in die Berge war eine Strapaze.“ Da kann ich ihm nur beipflichten. Gemeinsam gehen wir in eine große Vorratshalle, in der tonnenweise Saatgut in Säcken gestapelt ist. Ein paar Arbeiter sind dabei, dieses in Plastiktüten zu verpacken und abzuwiegen. Günther erklärt uns, dass durch dieses Nahrungsmittelprogramm der EU ca. 18.000 Familien mit Saatgut versorgt werden sollen. Die Arbeiter, die wir hier sehen, sind Tagelöhner. Morgens stehen sie vor dem Tor in der Hoffnung, hier ein paar Stunden Arbeit zu bekommen und somit etwas Geld zu verdienen. Wir steigen in den Landrover, an dessen Türen die Flagge der EU sowie eine Waffe, in einem roten, durchgestrichenen Kreis zu sehen ist. Darunter steht in Großbuchstaben geschrieben: No Weapons. Kaum haben wir Goma verlassen, eine Straßensperre des Militärs. Das Fahrzeug der EU wird durch gewunken. Ich erkundige mich bei Günther, ob es denn mit diesen Typen auch Ärger gibt. „Sie wissen, wer wir sind und lassen uns weitestgehend in Ruhe. Denn sie wissen auch, wenn sie uns Probleme machen, sind wir ganz schnell beim Gouverneur.“ Er erzählt uns von dem überall herumlungernden Militär. Viele von ihnen noch Kinder, schikanieren sie die Bevölkerung. Tagsüber ziehen sie durch die Dörfer, um sich etwas Essbares zu besorgen und sich zu besaufen. Abends kehren sie dann in ihre Unterkünfte zurück. In der Region, in der Goma sich befindet, sowie der gesamte Osten und Nordosten des Kongos, liegt außerhalb der Kontrolle der Regierung in Kinshasa. Verschiedene Rebellengruppen herrschen über die einzelnen Gebiete, bekämpfen sich gegenseitig. Die gut asphaltierte Straße, auf der wir bis nach Sake, unserem Zielort fahren, führte ursprünglich einmal am Ufer des Lake Kivus entlang bis nach Bukavu, an den unteren Zipfel des Sees. Heute geht sie von Sake aus nur noch ein paar Kilometer weiter, dann ist sie nicht mehr befahrbar, endet irgendwo im Busch. Die Verbindungen ins Landesinnere sind ebenfalls katastrophal. Durch den jahrelangen Bürgerkrieg ist an den Straßen rein gar nichts gemacht worden. Die Regenzeit und der wuchernde Dschungel haben die Wege verschwinden lassen. In der Stadt, was in unseren Augen eher ein Dorf ist, angekommen, werden wir gleich wieder von Kindern umringt. Europäer sieht man hier ohnehin selten und wenn, dann sind es Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Auf dem großen Platz, wo Günther auch das Auto abgestellt hat, wird Maniok getrocknet. Daneben hört man die Mühle rattern, in der der Maniok gemahlen wird. Für eben diese Mühle haben wir die Ersatzteile bei uns. Die Leute, die da drin arbeiten, atmen den ganzen Tag den feinen Staub, der beim Mahlen entsteht, ein. Sie sind weiß von oben bis unten, eingehüllt in Maniokstaub.
Günther und der Landrover sind verschwunden. Auf der Suche nach den beiden kommt Günther uns entgegen geeilt. Er hatte auch schon Ausschau nach uns gehalten. Gemeinsam schlendern wir jetzt noch einmal über den Markt. Er erzählt uns, dass die Menschen erst vor kurzem wieder hierher zurückgekehrt sind und erst gerade wieder beginnen sich eine neue Existenz aufzubauen, ihre Felder zu bestellen. Der Bürgerkrieg hatte sie vertrieben. Später fahren wir noch ein bisschen tiefer in den Busch. Auch hier findet man noch Hütten, die aber immer ärmlicher werden. Eine Wasserstelle an der wir kurz halten: „Seht ihr,“ sagt Günther, „dies war auch ein Teil eines unserer Projekte. Es wird nicht lange dauern, dann ist der Zustellhahn defekt oder wurde abgerissen. Dann fließt das Wasser unaufhörlich. Eine hervorragende Brutstätte für Malaria.“ Keine Ahnung, wo die Piste hinführt, auf der wir uns im Schritttempo vorwärts bewegen. Sie wird aber von einigen Fahrzeugen benutzt. Meist sind es LKWs und Pick-ups, die uns entgegen kommen. Auch hier lungern überall die Kerle in den Uniformen herum. Man trifft sie mal am Straßenrand, mal sitzen sie auf einem der Fahrzeuge. Wir fahren zurück nach Goma. Günther setzt uns an einem Supermarkt ab, wo wir uns ein paar Drinks kaufen. Er hat noch etwas zu erledigen und holt uns in einer Stunde wieder ab. In diesem Laden kann man fast alles kaufen. Wir setzen uns draußen vor dem Geschäft an einen der Tische. Der Großteil der Häuser ringsum steht in erstarrtem, schwarzem Lavagestein. Auch die Straße ist schwarz, alles ist hier schwarz. Nachdem Günther zurück ist, fahren wir ein wenig durch die Straßen, auch an den Punkt, wo die Lava in den See geflossen ist. Goma muss einmal eine sehr schöne Stadt gewesen sein. Das kann man nur noch ahnen. Günther bringt uns noch bis an den Grenzübergang.
18:00 wird er geschlossen, das dürfen wir nicht verpassen.
Wir bedanken uns noch für den interessanten Tag, den wir
mit ihm hatten und verabschieden uns. Dann verlassen wir den
Kongo und reisen wieder in Ruanda ein.
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