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Reisebericht
| 7. Tag - 11.02.2000 Senga Bay
- Zomba Gegen Mittag erreichen wir die Stadt. Wir beabsichtigen eine Hütte in den Bergen zu mieten und wieder ist uns Lonely Planet dabei behilflich, eine Entscheidung zu treffen. Wir suchen das CCAP Office, eine kirchliche Einrichtung, auf, um deren Cottage für zwei Nächte zu mieten. Von hier aus schickt man uns ins Technical College. Da erfahren wir, dass es für diese Hütte keinen Hausmeister mehr gibt und es deshalb nicht mehr vermietet wird. Was nun? Man hat noch einen Tip für uns. In der St. Marie´s Secondary School kann man den Schlüssel für Montfort Cottage bekommen. Diese Hütte befindet sich ebenfalls oben in den Bergen. Das Ministery of Tourism of Malawi hat eine hervorragende Kartensammlung herausgegeben, die Stadtpläne von den wichtigsten Städten des Landes beinhaltet. Sehr übersichtlich sind sie uns stets eine gute Hilfe gewesen. Somit finden wir auch die Schule ohne weiteres. Die katholische Schwester, die den Schlüssel aushändigt und die Bezahlung entgegennimmt, ist sehr daran interessiert, wie es bei unserer Abreise in Deutschland ausgesehen hat, ob es kalt war. Sie ist sehr liebenswürdig und wir plauschen eine Weile. Wir machen uns auf den Weg. Zuerst braucht man einfach nur der Beschilderung des Ku Chawe Inn folgen, einem weiteren Luxushotel dieses Landes. Nicht weit davon entfernt soll unsere Hütte sein. Wir stoppen an der ersten Schranke des Departement of Forestry. Da sich die Straße ohne weitere Beschilderung hier teilt, müssen wir nach dem Weg fragen. Ein herumstehender Einheimischer bietet sich gleich an, mit uns mitzufahren und uns den Weg zu zeigen. Die Straße ist eine Katastrophe, wenn man sie überhaupt noch als Straße bezeichnen kann. Dagegen glich ja die Piste nach Senga Bay noch einem Highway. Eigentlich sollte man hier nur ein allradangetriebenes Fahrzeug benutzen. Aber woher sollen wir das jetzt nehmen. So quälen wir den kleinen Opel über Stock und Stein. Wir haben Bedenken, dass es das Auto zwei- oder dreimal hoch und runter nicht unbeschadet überstehen wird. Wie man sich doch täuschen kann. Später haben wir uns entschlossen, doch mal einen Dankesbrief an Opel zu schreiben. Gute Arbeit, Jungs! Das hätte nicht jedes Auto geschafft. Für die fünf Kilometer bergauf benötigen wir etwa eine halbe Stunde. Oben angekommen verabschiedet sich unser Begleiter freundlich. Er werde sich jetzt wieder auf den Weg nach Hause machen und verschwindet. Ohne ihn hätten wir im Gewirr der Wege die Hütte nur sehr schwer gefunden. Wir werden mit einem sagenhaften Ausblick belohnt. Von der Terrasse aus kann man fast rundherum über das ganze Land schauen. Bei einer Entfernung von etwa 80 km Luftlinie ist der Lake Malawi zu sehen. Die umliegenden Berge zeigen sich wieder in einem satten Grün. Neben der Hütte steht ein kleines Häuschen. Hier wohnt die Familie des Hausmeisters, der uns gleich freundlich begrüßt. Helex, so heißt er, zeigt uns unsere Hütte und hilft uns beim Ausladen unseres Gepäcks. Pro Nacht und Bett haben wir umgerechnet 10,- DM gezahlt. Man muss sich aber selbst verpflegen, das heißt alle benötigten Lebensmittel mit nach oben nehmen. Die Hütte hat einen überdachten Eingang mit Terrasse, drei Schlafräume, ein Wohnzimmer mit Kamin, Dusche und WC und eine kleine Küche mit allem, was man benötigt: Kühlschrank, Elektroherd, Wasserkessel und sämtliches Geschirr. Wir müssen gleich noch einmal los in die Stadt, bevor es dunkel wird. Für die nächsten beiden Tagen benötigen wir Lebensmittel. Nachdem wir unsere Einkaufspläne erwähnt haben, fragt uns Helex, ob wir denn nicht seine Frau und sein Baby mit nach unten nehmen könnten. Es gibt ein kirchliches Treffen und sie möchte gern dahin. Am Sonntag wird sie wieder zurück kommen. Die anderen beiden Kinder werden hier beim Vater bleiben. Selbstverständlich nehmen wir die beiden mit. Das Baby ist ein süßer kleiner Fratz mit großen schwarzen Kulleraugen. Es hat eine leuchtend grüne Strickmütze und eine dazu passende Strickjacke an. Diese Farbkombination hebt die dunkle Hautfarbe so richtig hervor. Während der Fahrt, nachdem die Mutter fertig mit Stillen ist, darf ich die Kleine halten. Mit der Zeit wird es um sie herum etwas feucht. Und in mir kommt eine Frage auf: Ob es hier Windeln gibt? An dem Platz, wo wir sie absetzen, haben sich schon jede Menge Menschen eingefunden. Noch bevor die Frau ihr Baby zurücknimmt, holt sie vier Maiskolben und schenkt sie uns. Als Dankeschön, dass wir sie hierher gebracht haben. Wir nehmen dankend an, haben jedoch keine Vorstellung, was wir damit anstellen werden. Später geben wir den Mais an einen Jungen dann weiter. In der Stadt finden wir einen PTC-Supermarkt. So nennen sich die noch vom Banda-Regime her stammenden Einkaufsmärkte. Sie sind reichlich bestückt und so fällt das Einkaufen leicht. Die aus Südafrika, Zimbabwe und Europa importierten Waren sind natürlich, im Gegensatz zu hier im Land hergestellten, teurer. Vor den Supermärkten drücken sich viele Bettler und Händler herum. Jedes ankommende Auto wird sofort als nächstes Ziel anvisiert. Man kann kaum die Autotür öffnen. Feilgeboten werden Obst und Gemüse, aber auch Schnitzereien aus Edelhölzern. Direkt im Supermarkt decken uns mit allem, was wir benötigen ein: Kaffee, Toastbrot, Butter, Käse, Eier, Wurst, Säfte und mehr. Es ist fast dunkel, als wir wieder bei unserer Hütte angekommen
sind und es wird Zeit das Abendessen vorzubereiten. Heute koche
ich Makkaroni mit Rindfleischklößchen aus der Dose.
Helex sagt uns, dass er nach dem Essen zum Geschirrabwaschen
kommt. Ach, das machen wir doch selbst. Er lässt es sich
nicht ausreden, es ist sein Job, betont er. Damit verdient er
seinen Lebensunterhalt. Bevor er sich erst einmal wieder in
sein Haus begibt, macht er uns noch ein Feuer im Kamin. Hier
oben in den Bergen kann es nachts empfindlich kalt werden und
wir werden auch zum Schlafen die Decken benötigen.
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