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Reisebericht
5. Tag - 21.01.2002 Ngaoundéré Am Morgen werden wir durch die Sonne geweckt. Ein Blick aus dem Fenster; da draußen ist Afrika: Wälder, Dörfer, Menschen, die auf den Feldern arbeiten. Bei jedem Stopp dringen unzählige Händler an den Zug und verkaufen alles, was essbar ist. Soweit man es verträgt. Bei den schälbaren Früchten, frisch und saftig, kann man ohne weiteres zugreifen. Von den in Flaschen angebotenen Getränken nehmen wir lieber Abstand. Auf den ersten Blick lässt sich nicht unbedingt erkennen, ob sie nachgefüllt wurden.Mit nur einer Stunde Verspätung erreichen wir am Vormittag unser Ziel, Ngaoundéré. Die Sonne brennt hier wahnsinnig heiß, aber es ist im Gegensatz zu Douala bedeutend trockner. Man kann sogar sagen, staubtrocken. Unsere Unterkunft, die wir für heute aus unserem Reiseführer gewählt haben, nennt sich Le Relais und befindet sich im Zentrum der Stadt, in einer Seitenstraße, in der Nähe eines riesigen, ständig qualmenden Müllberges. Ungeachtet dessen wird er von Kindern durchsucht. Das Zentrum der Stadt bietet außer dem geschäftigen Treiben unter den schattigen Bäumen und dem Verkehr nicht viel. Die Altstadt kann man schnell zu Fuß erreichen. Sie besteht aus der großen Moschee und dem Palast des Lamido, den wir natürlich besichtigen wollen. Der Eintrittspreis für den Palast hat sich nach der neuesten Ausgabe unseres Reiseführers immens erhöht. Zudem ist noch ein zusätzliches Entgeld für einen Führer und eine Fotoerlaubnis zu entrichten. Da legt man schnell mal so um die 20 Euro für zwei Personen hin, um am Ende drei Strohhütten und ein klappriges Pferd gesehen zu haben. Aber man kann schnell erkennen, wohin das Eintrittsgeld mit großer Wahrscheinlichkeit auch fließt. Von beachtlichem Ausmaß ist beispielsweise der große, weiße Mercedes, der vor dem Haus des Lamido parkt. Auf dem schwarzen Nummernschild steht in weißer Schrift geschrieben: "Lamido de Ngaoundéré". Ein Lamido ist mehreres in einer Person. Der Name bedeutet "Führer". Er ist aber auch religiöses Oberhaupt, oberster Richter und größter Grundeigentümer der Region. Dass wir in einem ziemlich dunklen Raum am Eingang des Palastes warten müssen, bis das Mittagsgebet vorüber ist, stört uns nicht weiter. Es ist angenehm kühl in diesen Gemäuern, was auch meiner mittlerweile ständig laufenden Nase gut tut. Der uns zugewiesene Führer spricht leider wieder nur französisch und kein Wort englisch. Das ist schade, denn man kann nicht in Erfahrung bringen, was die drei Wandmalerein an den drei Hütten zu bedeuten haben. Am Ende kommen wir zu dem Schluss, ohne Französischkenntnisse lohnt es nicht unbedingt, sich in diese Unkosten zu stürzen. Es ist auch verständlich, dass man nicht den gesamten Palast besichtigen kann. So bleiben die heute noch bewohnten Teile dem Besucher verschlossen. Die staubige Altstadt mit ihren Lehm- und Steinhütten ist für unsere Begriffe viel interessanter. Durch deren Gassen zu streifen, vorbei an Handwerkern, Händlern, spielenden Kindern gibt einem das Gefühl, sich in einer vollkommen anderen Welt zu befinden. Was wir ja auch sind, nur wird es uns hier noch bewusster. Im Hotel sind wir immer noch die einzigen Gäste, so auch zum Abendessen. Man hat wohl für heute niemanden eingeplant und so dauert die Zubereitung des Chicken with Rice ein wenig länger. Wenn das gebratene Hühnchen nicht so gummimäßig zäh gewesen wäre, hätte man es glatt als köstlich einstufen können.
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