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Afrika Kalender 2012

Go Belize - Eine Reise in die Karibik

Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

2. Tag - 18.01.2002 Douala

Das Foyer des Marins, auch als Deutsche Seemannsmission bekannt, ist als ein erster Anlaufpunkt in Douala sehr zu empfehlen. Da die Seemannsmission, wie der Name schon vermuten lässt, nicht nur bei Reisenden beliebt ist, sondern auch Seeleuten Quartier bietet, sollte man bereits von Deutschland aus eine Reservierung vornehmen (douala@Seemannsmission.org). Die 7 Zimmer, die gegenwärtig zur Verfügung stehen, sind schnell ausgebucht.

Dieses idyllische Plätzchen im Herzen Doualas ist auch unsere erste Unterkunft in Kamerun. In einer kleinen Seitengasse gelegen, umgeben von gewaltigen, dichten Hecken, nimmt man hier kaum einen Laut des Straßenlärms vom nahegelegenen Boulevard de la Liberté war. Unter einem Sonnenschirm am kleinen Pool sitzend, vergisst man schnell wieder, dass da draußen, direkt vor der Tür, die Armut ihr Zuhause hat.

Begibt man sich jenseits dieser Mauern, kehrt die Wirklichkeit der afrikanischen Großstadt umgehend zurück. Schon der kurze Weg zur Hauptstraße vor ist gesäumt von kläglichen Wellblechhütten, an denen die teils offenen Abwasserkanäle entlang führen.

Noch vor einigen Jahren barg dieser Stadtteil für Weiße einige Risiken und es kam auch am hellerlichten Tage zu Überfällen. Dies soll sich weitestgehend nach einer Razzia der Polizei gegeben haben. Dennoch warnt unser Reisehandbuch aus Sicherheitsgründen vor Streifzügen durch Douala. Man sollte sich davon jedoch nicht abschrecken lassen. Beachtet man einige Hinweise und geht mit offenen Augen durch die Stadt, kann man sich getrost zu Fuß durch die Straßen bewegen.

Der Boulevard de la Liberté ist eine Art Flaniermeile, auf der man alles finden kann, was das Herz begehrt. Die meisten Banken haben hier ihren Sitz sowie die großen Hotels. Vor Supermärkten, deren Regale randvoll mit allen nur denkbaren westlichen Produkten gefüllt sind, sitzen bewaffnete Sicherheitskräfte. Und direkt davor bieten die unzähligen, fliegenden Straßenhändler ihre Waren feil. Bettler, meist Behinderte, die ihr einziges, zerlumptes Hemd auf dem Körper tragen, das sie besitzen, und Geschäftsleute, die im eleganten Anzug aus einem großen Mercedes steigen, zeichnen ein Bild von Arm und Reich, wie es krasser nicht sein kann.

Die erste Bank, auf der wir Geld tauschen möchten, nimmt noch keine Euros entgegen. Dies soll erst im nächsten Monat geschehen. Überdies erfahren wir später, dass Reisende, die Ende letzten Jahres mit ihrer DM nach Kamerun kamen, kaum noch eine Chance hatten, dafür CFA Francs zu bekommen. Die Banken waren und sind wegen der neuen Währung verunsichert und verzichten lieber kurzzeitig auf diese Devisen.

Die Standard Chatered Bank hat sich bereits mit dem Euro arrangiert und wir stellen uns in die lange Menschenschlange des Schalters für ausländische Zahlungsmittel.

Aufgelöst tritt ein junger Amerikaner an uns heran und entrüstet sich über die unverschämt hohe Gebühr, die die Bank für den Tausch von US$-Reiseschecks verlangt. Sage und Schreibe 20% der Gesamtsumme werden als "Commission" einbehalten. Da Reiseschecks im allgemeinen mit einer höheren Tauschgebühr belastet werden, entschieden wir uns ohnehin nur Bargeld mitzunehmen. Jedoch wollen wir uns zuerst einmal nach dem Prozentsatz für den Tausch erkundigen. Dazu kommt es aber gar nicht mehr, denn ein Mann, vom Aussehen her ein südländischer Typ mit Goldkettchen behangen, spricht uns an. Er hat eben ein paar Millionen CFA Francs abgehoben. Nach seiner Herkunft befragt, stellt er sich vor. Sein Name ist George, er ist gebürtiger Libanese und besitzt ein Restaurant in Douala. Wie könnte es auch anders sein. Libanesischen Geschäftsleuten begegnet man im gesamten afrikanischen Raum, von Kinshasa bis Dakar. "Welche Währung wollt ihr tauschen? Euros? Wenn ihr möchtet, können wir ins Geschäft kommen, ohne dass für euch irgendwelche Bankgebühren anfallen."

Im ersten Moment sind wir ein wenig skeptisch. Aber der Deal geht zügig und reibungslos vonstatten und innerhalb weniger Minuten befinden sich in meinen Schuhen, auf Georges Rat hin, ein paar Tausend CFA Francs: "Versteckt euer Geld an verschiedenen Stellen, aber habt immer einen 10.000er Schein bei der Hand. So habt ihr bei Überfällen das nötige Kleingeld, um die Diebe zufrieden zu stellen. Wenn sie gar nichts in den Taschen finden, erscheint dies unglaubwürdig und sie beginnen zu suchen." Das klingt zwar nicht gerade erbaulich, aber es leuchtet ein. Wir werden uns das zu Herzen nehmen.

Jetzt stehen wir etwas hilflos vor der Bank und überlegen, was man in Douala mit einem angebrochenen Tag machen könnte. Die Stadt bietet außer Straßenlärm und Slums nicht viel mehr, als die meisten afrikanischen Millionenstädte und das alles in einem mörderischen Treibhausklima, das einem den Schweiß aus den Poren treibt.

Wir erinnern uns an den Tipp, den uns heute Morgen ein Amerikaner gab: "Um sich ein Bild von der Stadt zu machen, setzt ihr euch in ein Taxi und lasst euch ein wenig durch die verschiedenen Viertel chauffieren. Das ist meine Vorgehensweise, wenn ich auf Reisen bin und nicht so recht weiß, wohin oder was tun."

Der Taxifahrer, der seiner eigenen und der französischen Sprache mächtig ist (die eine beherrschen wir genauso wenig, wie die andere), hat wohl unser Anliegen nicht so recht erkannt und fährt wahllos durch die Straßen. Auf Grund der Verständigungsprobleme bleiben unsere Fragen offen, die uns Aufschluss über etwaige Sehenswürdigkeiten geben könnten. Mein Französisch begrenzt sich auf die Vorstellung meiner Person und ein paar Redewendungen. Zu wenig für ein Land, dessen Hauptverkehrssprache französisch ist.

Als wir eine große Kathedrale erblicken, lassen wir den Fahrer halten und steigen aus. Die Sightseeingtour per Taxi hat uns nicht viel mehr gebracht als das, was wir schon am Vormittag von Douala sahen.

Allerdings erscheint dieser alles überragende Bau von Kirche einen Besuch wert. Die Kinder der dazugehörigen Schule haben wohl eben ihre große Hofpause und stürmen, als sie uns erblicken, auf uns zu, noch bevor wir das kühle Innere aufzusuchen können. Als die Mädchen und Jungen unsere Kamera entdecken, beginnen sie zu posieren. Jeder möchte mit auf dem Foto sein und die Größeren schieben die Kleineren zur Seite. Als die Lehrer zum Unterricht rufen, sind wir entlassen und der eben noch belebte Schulhof gleicht binnen kurzer Zeit einem riesigen, leeren, sonnendurchfluteten Platz.

Die angenehme Kühle der Kirchengemäuer wird von ein paar Gläubigen gerade zum Gebet genutzt. Etwas abseits lassen wir uns auf einer der Bänke nieder und beobachten das Geschehen schweigend. Ein Schwarzer, der in der Reihe nebenan sitzt und den wir erst gar nicht wahrgenommen haben, kommt zu uns und begrüßt uns freundlich per Handschlag. Unbekannterweise. Danach nimmt er wieder Platz und beginnt sein Gebet. Die Afrikaner bringen einen immer wieder zum Erstaunen.

Auf dem Friedhof, der auf der anderen Seite der Straße liegt, lassen sich noch einige Überreste aus deutscher Kolonialzeit entdecken. Zwischen den Ruhestätten aus heutiger Zeit findet man vereinzelt noch verwitterte Grabsteine, deren Inschriften deutsche Namen tragen. Unsere Landsmänner hatten es damals nicht einfach, an der von tropischen Krankheiten beherrschten Küste Westafrikas, die schlechthin als White Man´s Grave bezeichnet wurde. Die meisten von ihnen starben schon in jungen Jahren an Malaria oder wurden bei Auseinandersetzungen mit einheimischen Stämmen getötet. Mag es zu dieser Zeit noch ein außergewöhnliches Abenteuer gewesen sein, in die unbekannten Gebiete des schwarzen Kontinents vorzudringen, gab es doch für viele keine Rückkehr in ihr Heimatland.

Unter den schattenspendenden Bäumen vor dem Friedhof gibt es noch eine Wiedersehensfreude. Der nette Kirchengänger von vorhin ruft sich uns in Erinnerung, indem er uns erzählt, dass er es war, dem wir in der Kathedrale begegnet sind. Hat er auf uns gewartet oder steht er nur zufällig hier rum?

Jetzt wird der Grund für seine besonders zuvorkommende Begrüßung auch offensichtlich. Er bittet uns konkret um finanzielle Hilfe. Als Opfer des Bürgerkrieges in Sierra Leone hat er Zuflucht in einem der vielen anderen armen Länder seines Kontinents gesucht. Er kam nach Kamerun. Der Fetzen Papier, den er uns unter die Nase hält, beinhaltet seine Personalien samt Passfoto.

In solchen Situationen ist es nicht immer ganz einfach, die richtigen Worte zu finden, um taktvoll abzulehnen. Denn es ist schlichtweg unmöglich, jedem etwas zu geben, so gern man auch manchmal möchte. Denn da draußen gibt es so viele, die in dieser Gesellschaft nicht die geringste Chance haben, jemals in ihrem Leben dem Elend und der Armut zu entfliehen.

Die Bedürftigsten der Bedürftigen sitzen an den Ampeln der Straßenkreuzungen, vor den wohlgefüllten Supermärkten und schicken Hotels. Gezeichnet von Missbildungen, verkrüppelt oder blind, versuchen sie gemeinsam von den Passanten ein Almosen zu erbetteln. Es zeigt sich uns oft ein erschreckendes, ungewohntes Bild. Aber es ruft uns auch ins Bewusstsein, in welch privilegierter Welt wir zu Hause sind.

Auch nach Einbruch der Dunkelheit bleibt Douala eine feuchtheiße Stätte, die einem das Atmen erschwert und den Kreislauf zu Höchstleistungen anregt. Unsere lange Kleidung, die wir angelegt haben, um uns vor den Moskitos zu schützen, klebt unangenehm am Körper. Die Haare sind und bleiben feucht und trocknen nur vorübergehend, wenn man sie mit einem Fön bearbeitet. So geräuschvoll die Klimaanlagen auch sein mögen, sie ermöglichen einem den Schlaf in diesem Treibhaus. Ihr monotones Brummen wirkt sogar beruhigend, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat.

Das Foyer des Marins ist am Abend ein beliebter Treffpunkt der Weißen, vornehmlich für Expatriaten. Man trifft sich hier gern auf ein Bier oder ein Brouchette (Fleischspieß) vom Grill. Herr und Frau Posselt, die derzeitigen Betreiber der Seemannsmission, kümmern sich aber auch um die wenigen Reisenden, geben Tipps und Ratschläge.

Unsere Flugtickets sowie unsere übriggebliebenen Wintersachen hinterlassen wir bei Katharina, der netten, jungen Kamerunerin an der Rezeption, die ein sehr gutes Deutsch spricht. Morgen beginnt die Reise in das Innere des Landes und wir blicken voller Erwartung den kommenden Erlebnissen entgegen.

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17.01.2002 - 08.02.2002

1. Tag - Dresden - Zürich - Douala

2. Tag - Douala

3. Tag - Douala - Yaoundé

4. Tag - Yaoundé - Ngaoundéré

5. Tag - Ngaoundéré

6. Tag - Ngaoundéré - Maroua


7. Tag - Maroua - Rhumsiki

8. Tag - Rhumsiki


9. Tag - Rhumsiki

10. Tag - Rhumsiki - Maroua

11. Tag - Maroua - Yaoundé (Flug)

12. Tag - Yaoundé - Douala

13. Tag - Douala - Bafang


14. Tag - Bafang - Foumban


15. Tag - Foumban - Bafoussam

16. Tag - Bafoussam - Kribi

17. Tag - Kribi

18. Tag - Kribi - Buea

19. Tag - Buea - Limbe

20. Tag - Limbe

21. Tag - Limbe - Douala

22. Tag - Douala

23. Tag - Douala - Zürich - Dresden

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