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Reisebericht
1. Tag - 17.01.2002 Dresden - Zürich - Douala Nach einem etwas verspäteten Abflug in Zürich, erreichen wir Douala dennoch pünktlich und finden unsere Rucksäcke, allen Unkenrufen zum Trotz, auf dem Gepäcklaufband vor. Aber weshalb sollte dieses Mal alles glatt gehen?Im Anschluss an die Kontrolle des Internationalen Impfpasses mit dem Eintrag der obligatorischen Gelbfieberimpfung, geht es zur Passkontrolle. Kurz bevor wir an der Reihe sind, bemerke ich plötzlich, dass mir etwas fehlt. Ups, wo ist meine Winterjacke, die ich mir eigens für die Rückreise habe mitgenommen? Denn wir haben auf dem Heimflug einen halben Tag Aufenthalt in Zürich eingeplant. Mein erster Gedanke: Ich habe sie im Flieger vergessen. Ich drücke Beate meinen Pass in die Hand und haste durch die Gänge des Flughafens zurück, um die Maschine, die für den Weiterflug nach Libreville vorbereitet wird, noch zu erreichen, bevor sie in Richtung Startbahn rollt. Nach Luft ringend versuche ich dem Sicherheitsbeamten, der mich an der Gangway aufhält, verständlich zu machen, dass ich unbedingt noch einmal zurück ins Flugzeug muss. Aber ich werde in den Gepäckfächern im gesamten Umkreis unserer Sitzplätze nicht fündig und habe die Jacke sicherlich schon in Zürich im Transferraum liegengelassen. Ein wenig betrübt begebe ich mich wieder nach vorn zum Ausstieg, als sich mir einer der Stewards in den Weg stellt und fragt: "Wohin wollen Sie denn?" "Nach draußen" antworte ich. "Es tut mir leid, aber das ist nicht mehr möglich. Die Türen sind bereits geschlossen. Wir starten in wenigen Minuten nach Libreville." Keine Ahnung, wie ich ihn angeschaut habe muss: ungläubig, verwirrt, fassungslos. Jedenfalls schossen mir in diesen Sekunden alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Ich fliege nach Libreville, Gabun. Was soll ich da? Ich habe nicht einmal einen Pass? Der wartet mit Beate am Einreiseschalter auf mich. Zweifelnd dränge ich mich an dem immer noch mit ernstem Gesicht dastehenden Steward vorbei und renne durch die 1. Klasse weiter nach vorn. Die Tür ist offen, es werkeln noch ein paar kameruner Flughafenangestellte vor dem Flieger herum und der Pilot unterhält sich am Eingang mit zwei Stewardessen. Es müssen mehrere Steine gewesen sein, die mir vom Herzen fielen und als ich mich umdrehe, sehe ich, wie sich die Stewards vor Lachen biegen. Hätte nicht gedacht, dass die Noch-SwissAir-Angestellten nach wie vor zu Scherzen aufgelegt sind. Mir geht nun auch ein Lächeln über das Gesicht, als ich die Stufen hinabsteige. Zum wiederholten Male eile ich nun durch die unklimatisierten Gänge des Flughafens. Die feuchtheiße Luft klebt mir am Gaumen und bahnt sich ihren Weg in meine Lunge wie eine zähe Flüssigkeit. Aus dem winterlichen Europa kommend hat sich der Körper noch nicht auf derartige Bedingungen eingestellt und so fällt jegliche physische Anstrengung doppelt schwer. Vollkommen außer Atem erreiche ich Beate, die gerade noch die bereits ungeduldig dem Feierabend entgegenblickende Beamtin der Passkontrolle zurückhalten konnte. Mit voller Wucht knallt sie den Einreisestempel in meinen Pass und somit ist ihr Dienst für heute beendet. Das Taxi, mit dem wir ins Zentrum der Millionenstadt fahren, hat wohl schon einige Jahre auf dem Buckel. Die Schlaglöcher Doualas haben sichtlich und unüberhörbar ihre Spuren an ihm hinterlassen. Ein nächtlicher, warmer Wind weht durch die geöffneten Fenster des kleinen Peugeot und im Vorbeifahren dringen Worte einer unbekannten Sprache an mein Ohr. Die verschiedensten Gerüche mischen sich in der tropischen Luft und die Menschen da draußen auf den Straßen unterscheiden sich kaum von der Dunkelheit der Nacht. Es gibt mir das vertraute Gefühl, wieder in Afrika zu sein...
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