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Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

8. Tag - 22.12.2003 - Bissau - Bafata

Früh ist es noch einigermaßen angenehm von der Temperatur her und ich warte auf der immerschattigen Terrasse auf Beate. Und, da kommt ein Morgenspaziergänger um die Hausecke. Es ist natürlich der kleine Chinese, der quietschvergnügt auf mich zukommt und gleich wieder zu plaudern anfangen will. Offensichtlich vergisst er immer wieder, dass wir des Chinesischen nicht mächtig sind. Lustig ist es aber trotzdem.

Wir ziehen heute weiter. Gern wäre ich noch ein paar Tage in Bissau geblieben, in dieser vergessenen Stadt. Die verschlafene, koloniale Atmosphäre dieses Ortes und die alte Berta mit ihrer Pensão hinterlassen den Eindruck einer längst vergangenen Epoche.

Die Fahrt in die zweitgrößte Stadt Guinea-Bissaus, Bafata, und Geburtsort Amilcar Cabrals geht recht flott. Die Straße ist gut und so sind wir gegen Mittag schon am Ziel. Das einzige Hotel im Ort, das Maimouna , soll einem Franzosen gehören. Das Restaurant ist geschlossen und wir sind wieder einmal die einzigen Gäste.

Auf dem Gelände, in einem kleinen Haus, wohnt eine Familie. Sie kümmert sich anscheinend um das Anwesen und die, wenn es denn mal welche gibt, Gäste. Nebenan steht noch ein ausgebrannter Nachtclub.

Eins der Kinder bringt uns zum Geburtshaus Amilcar Cabrals. Lt. Reiseführer wurde hier ein kleines Museum eingerichtet. Aber nichts dergleichen. Das Haus steht leer und verlassen.

Unten am Fluss, am Rio Bafata, befand sich einst ein Park mit Kinderspielplatz. Karussell und Schaukel kann man noch erkennen, auch Bänke und einen kleinen Pavillon. An der ehemaligen Bootsanlegestelle waschen Frauen ihre Wäsche und legen sie auf der Wiese zum Trocknen aus.

Diese Stadt ist noch verschlafener als Bissau und noch einsamer und verlassen sind die Häuser. Als wir durch die Straßen gehen, fällt uns auf, dass alle Geschäfte leer und geschlossen sind. Nur ein paar Frauen verkaufen auf dem Fußsteig Früchte, Gemüse und anderes Kleinzeug.

Da Beate noch immer mit ihrer Erkältung zu kämpfen hat, gehe ich später allein auf die Suche nach etwas zu Essen. Und in einer Seitenstraße finde ich tatsächlich ein kleines Geschäft. Es gehört einer portugiesischen Familie. Außer Baguette und Cola kann ich hier aber nichts Brauchbares finden.

Da Senhora nicht wechseln kann, schickt sie ihren Mann los. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit ein paar Minuten TV. Es läuft gerade ein amerikanischer Actionfilm mit Jean-Claude van Damme. Ein seltsames Bild, fast schon absurd mutet es an. Hier, wo man den Eindruck hat, am Ende der Welt zu sein, flimmern westliche Filmhelden auf der Mattscheibe, fahren schwarze Sportwagen zu klump und trinken Whisky am Pool.

Ich suche weiter und finde einen zweiten Laden. Ein alter, weißhaariger Portugiese sitzt hinter der Theke. Seine zu kurz geratene Hose wird von breiten Hosenträgern gehalten und auf seinem weißen Unterhemd ist das Essen der letzten Tage zu erkennen. Erfreut über den wohl unerwarteten Einkäufer, erhebt er sich langsam vom Stuhl, um mich hinter den Ladentisch zu lassen. Den Kindern, die davor stehen und seinem Fernsehbild zuschauen, gibt er zu verstehen, dass sie mir ja nicht hinterher kommen sollen.

Drin darf ich mich umschauen und selbst aussuchen. Ich greife nach Ölsardinen, geräuchert und ohne Haut und Gräten, Made in Germany. Die Welt ist paradox...

Mit dem Abendessen unterm Arm schlendere ich zurück ins Hotel. Beate schläft noch und so setze ich mich draußen unter das Vordach und schaue hinaus auf die leere, rotstaubige Straße. Ich verfalle in Gedanken und bin dabei, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Ein idealer Ort dafür, für mich, in diesem Moment...

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14.12.2003-10.01.2004

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