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Reisebericht
7. Tag - 21.12.2003 - Bissau Heute legen wir einen faulen Tag ein. Beate ist ohnehin ziemlich schlapp, da sie sich eine Erkältung eingefangen hat. Und bei dieser Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit fällt das Bewegen an sich schon doppelt schwer. So bummeln wir noch ein wenig durch die Straßen der Altstadt und entlang der Avenida Amilcar Cabral . An deren Ende befindet sich der ehemalige Präsidentenpalast, der beim Sturz des Präsidenten im Mai 1999 ausbrannte. Auch im September 2003 gab es einen erneuten Putsch, der unblutig verlief und bei dem der Präsident unter Hausarrest gestellt wurde. Eine zivile Übergangsregierung wurde vorerst eingesetzt. Später legt sich Beate ins Bett und ich hänge auf der Terrasse herum und lese ein wenig. Außer uns gibt es seit gestern noch zwei weitere Gäste in der Pensão. Chinesen. Was sie hier machen, wissen wir nicht. Aber sie scheinen sich den ganzen Tag drin aufzuhalten. Der Eine vertreibt sich die Zeit mit Herumschlendern auf der Terrasse und kommt hin und wieder an mir vorüber. Irgendwann bleibt er bei mir stehen und spricht mich auf chinesisch an, fuchtelt mit den Händen, tippt mit einem Finger an verschiedene Stellen seines Kopfes und seiner Arme. Ah, jetzt verstehe ich, was er mir sagen will. Zerstochen und geplagt von Moskitos, hat er bei genauerem Hinsehen, streuselkuchenähnliche Erscheinungen auf seiner Haut. Ich zeige ihm meine Arme. Sie sind glatt, ohne einen einzigen Einstich. Dann zeichne ich ihm mit beiden Händen ein großes Dreieck in der Luft. Ein Moskitonetz. Ja, wir schlafen jede Nacht unter solch einem Teil. Er wirkt erstaunt und ich meine anhand der Gesten seine Frage so zu deuten, dass er gern wissen möchte, woher wir dieses denn haben. Aber wie soll ich ihm jetzt erklären, dass wir es bereits von zu Hause mitgebracht haben. Nach ein paar weiteren Versuchen, miteinander zu kommunizieren, geben wir erst einmal lachend auf. Beate hat sich nun im Bett geräkelt und ich trotte ins Zimmer zurück. Sie ist nun etwas erholt und bereit, um jetzt am späten Nachmittag noch einen Gang in die Stadt zu machen. Unten am Hafen, wo auch die Fähren nach Bolama und Bubaque an- und ablegen, stoppt uns erst einmal Marinepolizei. Aber wir können wie immer passieren und einen Rundgang am Pier machen. Fotografieren ist angeblich verboten. Mehrere Schiffe und Kutter liegen links und rechts der meterhohen und -breiten Landungsbrücke aus Beton. Versinken in einer grünlich, dunklen Schlammmasse und rosten vor sich hin. Keiner weiß, wann sie das letzte Mal ausgelaufen sind. Der marodeste Frachter liegt gekentert am Ende des Brücke. Das Salzwasser hat ihn bereits teilweise zerfressen und er ist nur noch ein einziges, riesiges Rostteil. Irgendwann wird ihn die See vollends und für immer verschlungen haben. In der Nähe unserer Pensão entdecken wir noch einen relativ großen Supermarkt, in dem wir uns mit ein paar Lebensmitteln für das Abendessen eindecken. Baguette und Wurst aus der Dose. Das Warenangebot ist hier ziemlich umfangreich und man staunt nicht schlecht, was es hier alles so gibt. Von Barbiepuppen über Plastikwerkzeug für den kleinen Handwerker und ferngesteuerte Autos über Waschpulver, Cremes und Duschbad, bis hin zu diversen Fruchtsäften, Käse und Wurst in Konserven. Während wir unser Mitgebrachtes verspeisen, wir haben unsere Zimmer- und die Terrassentür zwecks Luftzug weit geöffnet, bekommen wir Besuch. Der kleine Chinese betritt freundlich grüßend und nickend unser Zimmer. "Ahhh!", meint er, als er unser aufgespanntes Moskitonetz erblickt und überprüft wohl gleich die Qualität des feinmaschigen Tülls. Er betastet es an verschiedenen Stellen und spricht fast ununterbrochen. Dann zupft er es ein wenig beiseite und nimmt auf unserem Bett Platz. Hier erzählt und fuchtelt er mit den Händen gleich weiter. Aber Junge, wir verstehen doch nicht ein Wort von dem, was Du sagst! Wir schauen uns an und müssen lachen, worauf er gleich mit einstimmt. Auch mit Hilfe von Zettel und Stift ist die Verständigung äußerst schwierig. Es ist nicht herauszubekommen, was die beiden Chinesen hier machen. Wir vermuten jedoch, dass sie geschäftlich hier sein könnten und nicht wie wir, auf Reisen sind. Dafür spricht einmal, dass sie das Haus nicht verlassen, außer zum Einkaufen und des weiteren kommt uns am Morgen unserer Abreise ein weiterer Chinesen auf der Treppe entgegen, der kurz mit uns plauscht. Vermutlich war es ihr Dolmetscher. Ganz so einfach ist es dann auch nicht, ihn wieder freundlich aus dem Zimmer zu weisen, denn wir würden gern duschen und danach schlafen gehen. Übernachten muss er schon in seinem Zimmer.
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