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Afrika Kalender 2012

Go Belize - Eine Reise in die Karibik

Im Rhythmus der Hitze

Reisebericht

6. Tag - 20.12.2003 - Cacheu - Bissau

Die Sonne geht heute morgen glutrot über dem Rio Cacheu auf. Recht zeitig werden wir schon von klappernden Schüsseln und Eimern geweckt. Unten, vor unserem Fenster, haben sich ein paar Frauen mit ihren Gefäßen der Reihe nach aufgestellt, plaudern munter und warten gewiss auf das Öffnen des großen Eisentores.

Seit gestern Morgen haben wir nichts Handfestes mehr gegessen. Ein paar letzte Kekse bleiben uns zum Frühstück. Aber wir haben wenigstens Kaffee! Immer ein Gläschen Nescafé Instant auf Reisen im Rucksack, sichert dem Genussfreudigen den höchsten Kaffeegenuss auch am entlegensten Ort der Erde.

Von unserem Fenster aus blicken wir direkt auf den Rio Cacheu mit vereinzelten bunten Fischerboten an dessen Ufer und nicht weit entfernt steht da auch das alte Fort der Portugiesen.

Wir schlendern den Weg - hier wohl früher die alte Uferstraße - in Richtung der Überreste der weißen, kolonialen Festung. Aus den Schießscharten schauen noch die Kanonen der Portugiesen. Im Inneren wird es vom Gebüsch überwuchert.

Das kleine Städtchen Cacheu hat neben einer schillernden auch eine dunkle Vergangenheit. So wurden von diesem Hafen aus Menschen als Fracht nach Kapverden und dann weiter in die Neue Welt verschifft. Zahlreiche Kolonialbauten, die heute kaum noch bewohnbar oder einsturzgefährdet sind, findet man überall im Ort. Von der ehemaligen Uferpromenade aus verläuft schnurgerade eine zweispurige Hauptstraße, auf deren Mittelstreifen noch Straßenlaternen, die schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten keinen Strom mehr haben, zu finden sind. Auf dem Platz vor der Anlegestelle der Boote - früher wohl auch mit zum Hafen gehörend - sieht man noch die Gestelle aus Stein, die einstmals Bänke waren. All das braucht heute niemand mehr und so zerfällt es im Laufe der Zeit.

Cacheu macht einen recht verschlafenen Eindruck. Man hat eher das Gefühl, in einem Dorf zu sein, als in einer Stadt. Der Ort hat aber auch an Bedeutung verloren, seit die Fährverbindung zwischen Bula und Ingore geschaffen wurde.

An der Uferpromenade finden wir später dann auch ein Taxi, welches uns zurück nach Canchungo bringt. Trotz der schlechten Straßenverhältnisse kommen wir recht schnell voran. Nachdem wir in der Kleinstadt umgestiegen sind, geht es jetzt auf besserem Asphalt der Hauptstadt Bissau entgegen. Dort überqueren wir auch eine nagelneue Brücke, die erst kürzlich eröffnet und durch die die Fährverbindung über den Rio Mansoa eingestellt wurde. Diese Brücke soll (lt. Reiseführer) ein Geschenk der EU sein und sollte voraussichtlich 2005 fertiggestellt werden?!

Am Stadtrand von Bissau gibt es noch eine Polizeikontrolle. Sorgfältig schreibt der Beamte unsere Namen auf, Pass-Nr., woher wir gerade kommen und wo wir in der Stadt wohnen werden. In Guinea-Bissau können wir also nicht verloren gehen. Unsere Wege sind anhand der Aufzeichnungen der Polizeikontrollen stets nachvollziehbar. Zum Schluss wünscht uns der Polizist noch einen angenehmen Aufenthalt und hofft, dass es uns in seinem Land gefällt. Nun, wir können nicht klagen. Im Gegenteil. Im Nachhinein muss ich auch sagen, dass es für mich eines der am angenehmsten zu bereisenden Länder, mit überaus freundlichen Menschen war.

Die Pensão Central haben wir uns als Bleibe ausgesucht. Sie befindet sich unweit des Hafens und der alten Europäerstadt. Berta, eine ältere portugiesische Dame, schätzungsweise um die 80 Jahre alt, ist die Inhaberin und sie scheint sich wohl in den letzten Jahrzehnten gegen jegliche Veränderungen verweigert zu haben. Hier scheint die Zeit stillgestanden zu sein.

Sie sitzt auf der Terrasse, die um die gesamte Etage führt und träumt vo sich hin. Ihre hochgesteckt Frisur erinnert an die 50er Jahre. Erfreut begrüßt sie uns und bietet uns sogleich an, neben ihr Platz zu nehmen und vielleicht möchten wir ja auch eine Erfrischung. Mit strenger Stimme ruft sie einen der Angestellten und händigt ihm einen Schlüsselbund aus. Es ist der Schlüssel für den Kühlschrank, auf den sie stets ein Auge zu werfen scheint und der wohlgefüllt mit allerhand Getränken ist.

Berta spricht nur portugiesisch, aber weshalb wären wir hierher gekommen, wenn wir nicht etwas zum Übernachten suchen würden. So gestaltet sich die Zimmervermittlung nicht schwierig.

Unser Gemach hat ebenfalls die letzten Jahrzehnte verschlafen. Aber ich mag diese Atmosphäre, dieses koloniale Flair. Ein Doppelbett aus massivem Tropenholz, ein Schreibtisch und eine Kommode mit erblindetem Spiegel bilden die Einrichtung. Eine von außen mit Holzlamellen verdunkelte Tür führt auf die überdachte Terrasse, die sich hier im obersten Stockwerke ebenfalls um die gesamte Etage zieht. Eine Toilette und eine Dusche findet man separat am Ende des Ganges.

Der Raum ist angenehm kühl und würde eigentlich zum Ausruhen einladen. Doch die Hauptstadt Bissau wartet da draußen auf uns.

Entlang der alten Uferstraße, die fast menschenleer in der heißen, feuchten Nachmittagshitze liegt, gibt es keine Geschäfte, die noch geöffnet haben. Sie sind verlassen, manchmal vergittert und nur die oberen Stockwerke sind noch bewohnt. Dieser Straßenzug war einst ein Teil der alten Europäerstadt, wo einst Geschäfte und Faktoreien florierten.

Am Ende dieser Straße steht das alte Fort, das 1692 erbaut worden sein soll. Vor dem Eingangstor, vor dem zwei alte Kanonen starr und drohend positioniert sind, sitzen ein paar Soldaten. Etwas zögernd nähern wir uns, zeigen ihnen den Stadtplan Bissaus in unserem Reiseführer und fragen, ob man das Fort besichtigen kann. Im Buch wird kein Wort erwähnt, was es war und was es heute ist.

Einer der Jungs meint: "Momento!" und verschwindet durch das Tor. Als er kurz darauf wieder zurück kommt, hat er einen Kompagnon bei sich, der englisch spricht. Ein älterer Offizier gesellt sich noch dazu und in militärischer Runde beginnt ein Rundgang durch die alte Festung.

Heute ist das von hohen Mauern umgebene Fort eine Kaserne. Deshalb also die Soldaten und die Artelleriegeschütze im Innenhof. Nicht weit vom Eingang befindet sich eine Gruft, geschmückt mit Blumen und Kränzen. Wie wir erfahren, ist es die Ruhestätte Amilcar Cabrals, Volksheld Guinea-Bissaus, der der erste Präsident des Landes werden sollte. Er hat in Portugal studiert, lebte einige Zeit in Angola und wurde 1973 in Conakry in einem Hinterhalt erschossen. Sein Auto, in dem er ermordet wurde, befindet sich heute auch auf dem Gelände des Forts. Unweit seines Grabes ruhen einige seiner Parteigenossen und Freunde, einige oder die meisten von ihnen wurden ebenfalls umgebracht.

Eine überlebensgroße Statue Amilcar Cabrals liegt mitten im Hof, verpackt und eingestaubt. Ich frage unsere Begleiter, wann man sie denn mal aufstellt. Die Antwort: "Nun, wenn wir mal eine Gelegenheit dazu haben." Das ist natürlich einleuchtend.

Am hinteren Tor der Festung verabschieden wir uns von den Soldaten und reichen noch ein paar Zigaretten. Von hier aus ist es nicht weit zum alten Friedhof. Hier entdecken wir auch ein paar Grabsteine mit deutschen Inschriften. Wie in der Kolonialzeit bei vielen Dingen, auf die die Europäer nicht verzichten wollten, üblich, sind die Steine importiert. Granit aus Europa. Und so unterscheiden sie sich von denen der Afrikaner, der Franzosen oder der Portugiesen (roter Stein).

Abendessen in der Pensão. Dreigangmenu: Vorsuppe, Hauptspeise und Zimtpudding als Dessert. Alle Tische im Restaurant sind sorgfältig eingedeckt. Das werden sie jeden Tag in Erwartung vieler Gäste, die schon längst nicht mehr so zahlreich erscheinen, wie wohl einst. Wir sind die einzigen am heutigen Abend. Ein kleiner, liebevoll geschmückter Kunstweihnachtsbaum steht auf einem Tisch in der Ecke.

Berta saß noch an der gleichen Stelle, als wir aus der Stadt zurückkamen, wie im Moment unserer Ankunft. Und auch am nächsten Morgen saß sie wieder da, als wir zum Frühstück kamen und auch am Abend noch. Ein merkwürdiges Bild. Als würde sie für den Rest ihres Lebens da sitzen. Verwachsen mit diesem Stuhl, diesem Haus, dieser Stadt, diesem Land.

Der betagten Frau fällt es sicherlich schwer, die steile Treppe und die vielen Stufen hinab auf die Straße zu steigen oder hinauf in die Etage, wo sich die Zimmer befinden. Wir fragen uns, wie lange sie wohl diese schon nicht mehr benutzt hat, wann sie das letzte Mal da draußen war in der heißen Stadt.

Zu gern hätte ich mich einmal mit dieser alten Dame unterhalten, doch die Sprachbarrieren verhindern das. Sie scheint schon sehr lange in diesem Land zu leben. Vielleicht wurde sie sogar schon hier geboren und ist hier aufgewachsen. Geschichten hat sie mit großer Sicherheit allerhand zu erzählen. Geschichten über eine pulsierende Stadt und deren Zerfall. Über Bürgerkrieg und friedliche Zeiten und über einen langanhaltenden, blutigen Militärputsch (1998), der erst ein Jahr später ein Ende fand.

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14.12.2003-10.01.2004

Anreise Frankfurt - Lissabon - Dakar

1. Tag - Dakar

2. Tag - Dakar - Kaolack

3. Tag - Kaolack - Ziguinchor

4. Tag - Ziguinchor

5. Tag - Ziguinchor - Cacheu (Guinea-Bissau)

6. Tag - Cacheu - Bissau

7. Tag - Bissau

8. Tag - Bissau - Bafata

9. Tag - Bafata - Georgetown (Gambia)

10. Tag - Georgetown

11. Tag - Georgetown - Bakau

12. Tag - Bakau

13. Tag - Bakau - Tanji

14. Tag - Tanji - Abéné (Senegal)

15. Tag - Abéné

16. Tag - Abéné

17. Tag - Abéné

18. Tag - Abéné - Ziguinchor

19. Tag - Ziguinchor - Mbour

20. Tag - Mbour

21. Tag - Mbour - Dakar

22. Tag - Dakar - St. Louis

23. Tag - St. Louis

24. Tag - St. Louis - Dakar

25. Tag - Dakar

26. Tag - Dakar

Heimreise - Dakar - Lissabon - Frankfurt - Dresden

 

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